Neuer Link, um die Maulwürfe auszumerzen:
standardkrisen.blogspot.com
2013/06/15
2013/05/27
Everything that kills me makes me feel alive
"Hast du eine Kippe für mich?"
"Bestimmt." Ich halte ihm meine offene Packung hin, er zieht schwerfällig eine Zigarette heraus. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr als ein lebendiger Zigarettenautomat mit einem Defekt - spucke Kippen an all diejenigen heraus, die mich danach fragen. Aber er kennt meine dunkle Seite des Mondes, ich seine, auch wenn wir kaum reden.
"Ich dachte du rauchst nicht mehr", nuschelt er, während er versucht, seinem Feuerzeug eine Flamme abzuverlangen. Ich lächle unbestimmt und zucke mit den Schultern. Dann blickt er mich prüfend an, sein Gesichtsausdruck verändert. "Ist alles in Ordnung bei dir?"
Selbst meine ekelhaft gute Laune heute kann ihn nicht täuschen.
"Klar." Zuhause wertlos, überall ersetzt, in mir wütender Krieg.
"Wirklich?", fragt er nachdrücklich, nicht im Geringsten überzeugt.
Rechts von uns kommt der Rest der Raucher aus dem Unterricht, unterhalten sich lautstark über Lachgas und Ether, winken uns zu. "Ja", bestätige ich mit fester Stimme, aber mein Blick hält seinem nicht stand. Die Suche nach meinen Zigaretten in meiner Tasche dauert beabsichtigt länger, ich klemme mir eine zwischen die Lippen und zünde sie an, um ihn nicht anschauen zu müssen, bis er erst eine ganze Weile später von mir ablässt und mit jemanden anders redet.
Mein Nikotindampf kräuselt sich im fahlen Sonnenlicht und verliert sich im tristen Blau, weit weg von mir.
2013/05/26
I'm up all night to get lucky
Der entgleiste Zug fährt wieder. Selbstdestruktionsschiene.
Erheblicher Schlafmangel, und es zerrt den kompletten Tag über an meinem Bewusstsein, meine Umgebung rauscht und zerfließt und ich habe die größten Mühen, mich festzuhalten. Mein Magen rebelliert und ich kann nicht gerade stehen, ohne an den Grenzen um mich herum Halt zu suchen.
Ich will meine Hand durch den Körper schieben, meine schlagende Saftpumpe umschlingen, es ins pH-Wert-1 Gift ziehen und anschließend das pochende Mistding im Takt verwirren, indem ich es zerquetsche.
2013/05/18
Blogaward #3
Um mal was vernünftiges auf die Reihe zu bekommen - mein dritter Blogaward, verliehen von der Julie, die wunderbare, ans Herz gehende Texte schreibt, die ich sehr gerne lese. Vielen lieben Dank!
Die Regeln des Lovely Blog That Inspires Everyone Awards
- Den, der dir den Award verliehen hat, verlinken.
- Das Logo auf dem Blog platzieren.
- Sieben Dinge über dich erzählen.
- Fünfzehn weitere Blogs nominieren.
Siebenunnötige Dinge über mich
1. In sozialer Hinsicht überlebe ich in der Schule nur, weil die beliebteren Mädchen mich um meine Haare beneiden und ich deswegen nicht in die "untere Ecke" geschoben werde. Die Jungen mich komplett auf das reduzieren, was sie gerne sehen. Zocken, zum Beispiel.
2. Ich habe immer ein Feuerzeug dabei und kaufe mir oftmals welche, obwohl ich sie nicht brauche, weil ich sehr gerne darauf zeichne.
3. Ich liebe griechische Mythologie.
4. Meine beiden besten Freundinnen, mein bester Freund, mein Freund, seine Freunde und deren Freunde lesen mit, soviel ich weiß. Ich hätte damals nicht meinen Bloglink so verteilen sollen. Sonst wäre ich jetzt nicht scharf darauf, ein paar der Personen loszuwerden.
5. Ich schreibe seit 2010 Tagebuch.
6. Wenn ich Menschen was von mir erzähle, dann unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Bruchstücke über mich. Alle zusammen wissen alles über mich, keiner kennt mich komplett und kann mir damit gefährlich werden.
7. Ich fahre sehr oft mein Schlüsselbein nach, wie andere Leute sich aus Langeweile an der Hand abstützen.
Nominierungen
Da ich eigentlich immer die, die ich lese nominiere, dachte ich mir, ich nominiere diesmal meine Leser. Natürlich komme ich nicht auf 15. Wen wundert's.
http://tell-them-i-was-happy.blogspot.de/
http://hopeversusfear.blogspot.de/
http://romanschreiberin.blogspot.de/
http://untilsomebodysavesme.blogspot.de/
http://www.briefe-an-alexander.blogspot.de/
http://feitherweight.blogspot.de/
http://xpainstory.blogspot.de/
Die Regeln des Lovely Blog That Inspires Everyone Awards
- Den, der dir den Award verliehen hat, verlinken.
- Das Logo auf dem Blog platzieren.
- Sieben Dinge über dich erzählen.
- Fünfzehn weitere Blogs nominieren.
Sieben
1. In sozialer Hinsicht überlebe ich in der Schule nur, weil die beliebteren Mädchen mich um meine Haare beneiden und ich deswegen nicht in die "untere Ecke" geschoben werde. Die Jungen mich komplett auf das reduzieren, was sie gerne sehen. Zocken, zum Beispiel.
2. Ich habe immer ein Feuerzeug dabei und kaufe mir oftmals welche, obwohl ich sie nicht brauche, weil ich sehr gerne darauf zeichne.
3. Ich liebe griechische Mythologie.
4. Meine beiden besten Freundinnen, mein bester Freund, mein Freund, seine Freunde und deren Freunde lesen mit, soviel ich weiß. Ich hätte damals nicht meinen Bloglink so verteilen sollen. Sonst wäre ich jetzt nicht scharf darauf, ein paar der Personen loszuwerden.
5. Ich schreibe seit 2010 Tagebuch.
6. Wenn ich Menschen was von mir erzähle, dann unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Bruchstücke über mich. Alle zusammen wissen alles über mich, keiner kennt mich komplett und kann mir damit gefährlich werden.
7. Ich fahre sehr oft mein Schlüsselbein nach, wie andere Leute sich aus Langeweile an der Hand abstützen.
Nominierungen
Da ich eigentlich immer die, die ich lese nominiere, dachte ich mir, ich nominiere diesmal meine Leser. Natürlich komme ich nicht auf 15. Wen wundert's.
http://tell-them-i-was-happy.blogspot.de/
http://hopeversusfear.blogspot.de/
http://romanschreiberin.blogspot.de/
http://untilsomebodysavesme.blogspot.de/
http://www.briefe-an-alexander.blogspot.de/
http://feitherweight.blogspot.de/
http://xpainstory.blogspot.de/
2013/05/11
I'm torn between this life I lead and where I stand
Anmeldung an der Fahrschule. Ich will nicht Autofahren lernen. Zu viele Möglichkeiten für impulsive Aktionen meinerseits. Ich kalkuliere meine Schadensbegrenzung bereits - Fahrstunden werden mir einen hässlichen Strich durch die Rechnung machen.
"Die haben letztens alle Formulare erneuert, schrecklich." Die Tochter des Fahrlehrers verdreht die Augen, und ich lächle unbestimmt. Konzentriert übernimmt sie Zeile für Zeile von meinem Personalausweis und fängt an zu grinsen. "Ah, meine Lieblingsstelle, die total überflüssig ist." Sie schiebt meinen Ausweis zu mir zurück und leiert im leicht belustigendem Tonfall die Fragen herunter.
"Waren Sie in irgendwelche Gewaltdelikte oder Körperverletzung mit Strafverfahren verwickelt?"
Diese Art von Fragen. Meine Mundwinkel zucken nach oben. "Nein." Für Selbstverletzung wird man nicht angeklagt.
"Nehmen Sie irgendwelche Rauschmittel oder haben Sie eine Abhängigkeit?"
"Nein." Ungesunder Hang zu Nikotin und schwache Standhaftigkeit gegenüber Gras.
"Leiden Sie unter irgendwelchen Krankheiten -wie zum Beispiel Diabetes- oder sind Sie anderswertig körperlich beschränkt?"
"Nein." Anzeichen einer Depression, ES Symptome, BL-Verdacht.
Sie setzt eine schwungvolle Unterschrift am Ende des Vertrags und verdreht erneut die Augen. "Fragen, die die Welt nicht braucht."
Und mein Lächeln ist echt, weil sie die Wahrheit ausspricht, obwohl ich sie schamlos belogen habe. Weil die Welt mich nicht braucht.
2013/05/05
2013/05/02
dann kommt die schwarze Wolke macht mich klein
die leere frisst mich auf
meine gefühle sind alle ausnahmslos tot
zumindest im moment erfroren festgefroren festgefahren
alles ist stumpf hohl trockene bewegungen ohne jegliche empfindung
isolation mein geliebtes alleinsein aber nicht einsamsein wollen
ich kann diese menschen nicht mehr sehen
will keine mehr sehen
es ist unermesslich schwierig geworden
ausdauernd zu täuschen
meine teilnahmslosigkeit zu überschreiben
ich dränge sie von mir weg
sie sollen meine fehler nicht sehen
der mechanismus bloß als schutz vor enttäuschung durch mir
meiner selbst
weil ich zu nichts anderes fähig bin
und ich möchte sie nicht belasten mit meinen wiederkehrendenden
schwierigkeiten in mir
nichtigkeiten im grunde auch wenn sie mich zersplittern
denn ich will keine pflicht sein
die man nicht verlassen kann weil sie sonst bricht
sondern ich will dass man zu mir geht
weil man mich um sich haben will
unfähig mich vernünftig auszudrücken und doch zu viele wortfetzen um vollends zu schweigen
unbezähmbare bedürfnis irgendetwas anzuzünden
oder verbrennen zu lassen
warum mögen ausgebrannte menschen
feuer
meine gefühle sind alle ausnahmslos tot
zumindest im moment erfroren festgefroren festgefahren
alles ist stumpf hohl trockene bewegungen ohne jegliche empfindung
isolation mein geliebtes alleinsein aber nicht einsamsein wollen
ich kann diese menschen nicht mehr sehen
will keine mehr sehen
es ist unermesslich schwierig geworden
ausdauernd zu täuschen
meine teilnahmslosigkeit zu überschreiben
ich dränge sie von mir weg
sie sollen meine fehler nicht sehen
der mechanismus bloß als schutz vor enttäuschung durch mir
meiner selbst
weil ich zu nichts anderes fähig bin
und ich möchte sie nicht belasten mit meinen wiederkehrendenden
schwierigkeiten in mir
nichtigkeiten im grunde auch wenn sie mich zersplittern
denn ich will keine pflicht sein
die man nicht verlassen kann weil sie sonst bricht
sondern ich will dass man zu mir geht
weil man mich um sich haben will
unfähig mich vernünftig auszudrücken und doch zu viele wortfetzen um vollends zu schweigen
unbezähmbare bedürfnis irgendetwas anzuzünden
oder verbrennen zu lassen
warum mögen ausgebrannte menschen
feuer
2013/04/25
Und der junge Mensch treibt, er treibt, er treibt es gerne zu weit
Meine Lehrerin schreibt eine Aufgabe an die Tafel und verlässt das Klassenzimmer. Allgemeines Stimmgewirr. Ich starre hinaus in den Wald, bis mich irgendjemand am Rande des Blickfelds ablenkt. Er setzt sich auf die Fensterbank und folgt meinem Blick - der einzige Mensch, der aufgestanden ist, und das vom anderen Ende des Raumes -, öffnet das Fenster. Gewöhnlich will er mich damit reizen, und auch diesmal beiße ich an. "Was willst du hier?", frage ich unfreundlich.
Er schaut herunter. "Denkst du hier ist hoch genug zum Springen?", fragt er völlig ernsthaft, ohne mich anzuschauen.
Ich stehe auf, blicke ebenfalls aus dem Fenster. Drei, maximal vier Meter geht es nach unten. "Nein."
"Vom zweiten Stock vielleicht", witzelt jemand.
Ich schüttele den Kopf, die zusätzlichen zwei Meter nützen nichts. Bevor ich zu was ansetzen kann, kommt er mir zuvor: "Nein. Das ganze Schulgebäude ist nicht hoch genug, selbst auf dem Dach nicht."
Er weiß es. Und er hat recht. Wieso fragt er mich dann?
Ich reiche nach der Fensterklinke, um das Fenster zu schließen, als er mich mit eisernem Griff am Handgelenk packt. Mein Was...? bleibt mir in der Kehle stecken, und er umklammert mit seiner freien Hand mein anderes Handgelenk. Mit einem Ruck zieht er mich zu sich heran und flüstert mir ein einziges Wort ins Ohr: "Spring."
Danach lässt er mich ohne Aufforderung los, geht auf seinen Platz zurück und arbeitet wortlos an der Aufgabe.
Wenn wir in der Schule nicht immer unsere Masken aufhätten, die uns unantastbar und unnahbar machen. Vielleicht gibt es mehr Menschen, die verloren sind. Vielleicht ist er so jemand. Ungünstig, dass er jegliche Fragen sofort abblockt.
Blogaward steht noch aus, vielleicht eine gute Gelegenheit für ein bisschen Licht in die Verwirrung zu bringen.
Er schaut herunter. "Denkst du hier ist hoch genug zum Springen?", fragt er völlig ernsthaft, ohne mich anzuschauen.
Ich stehe auf, blicke ebenfalls aus dem Fenster. Drei, maximal vier Meter geht es nach unten. "Nein."
"Vom zweiten Stock vielleicht", witzelt jemand.
Ich schüttele den Kopf, die zusätzlichen zwei Meter nützen nichts. Bevor ich zu was ansetzen kann, kommt er mir zuvor: "Nein. Das ganze Schulgebäude ist nicht hoch genug, selbst auf dem Dach nicht."
Er weiß es. Und er hat recht. Wieso fragt er mich dann?
Ich reiche nach der Fensterklinke, um das Fenster zu schließen, als er mich mit eisernem Griff am Handgelenk packt. Mein Was...? bleibt mir in der Kehle stecken, und er umklammert mit seiner freien Hand mein anderes Handgelenk. Mit einem Ruck zieht er mich zu sich heran und flüstert mir ein einziges Wort ins Ohr: "Spring."
Danach lässt er mich ohne Aufforderung los, geht auf seinen Platz zurück und arbeitet wortlos an der Aufgabe.
Wenn wir in der Schule nicht immer unsere Masken aufhätten, die uns unantastbar und unnahbar machen. Vielleicht gibt es mehr Menschen, die verloren sind. Vielleicht ist er so jemand. Ungünstig, dass er jegliche Fragen sofort abblockt.
Blogaward steht noch aus, vielleicht eine gute Gelegenheit für ein bisschen Licht in die Verwirrung zu bringen.
2013/04/15
Nothing burns like the cold.
Das rohe Monster in mir, dass nach Blut giert und nach Schmerzen lechzt. Sich an Hass labt. Gegen die brüllende Stille anschweigt und zu mir siecht und in Schwärze mitschleift.
Mitten in der Nacht
scheint es
die Kontrolle
über mich
zu reißen
Bilderbruchteile. Klinge in der Hand. Blutgetränkte Taschentücher, Pflaster. Schneide in der Haut. Kurzes Aufblitzen von Schmerz. Am nächsten Morgen ein paar dutzend Schnitte, an die man sich nicht erinnert.
Bei Abwesenheit des Lichts sehe ich Dinge, die mich paranoid machen. Kann nicht schlafen, weil ich nicht die Augen schließen will. Angst vor der Dunkelheit. Vor der Schwärze. Vor dem Nichts.
So viele liebe Kommentare offen, ein weiterer Blogaward, wenigstens hierfür werde ich mich aufraffen die nächsten Tage, vielleicht schaffe ich es ja...
Mitten in der Nacht
scheint es
die Kontrolle
über mich
zu reißen
Bilderbruchteile. Klinge in der Hand. Blutgetränkte Taschentücher, Pflaster. Schneide in der Haut. Kurzes Aufblitzen von Schmerz. Am nächsten Morgen ein paar dutzend Schnitte, an die man sich nicht erinnert.
Bei Abwesenheit des Lichts sehe ich Dinge, die mich paranoid machen. Kann nicht schlafen, weil ich nicht die Augen schließen will. Angst vor der Dunkelheit. Vor der Schwärze. Vor dem Nichts.
2013/04/14
Herz zerrissen wie Mund
Mir ist wieder so danach, Säure in der Kehle zu haben. Einen Fremdkörper in der Haut. Die Lunge mit Giftstoffen zu zersetzen. Irgendwie alles, und alles auf einmal.
2013/03/31
Jede Seele bestraft sich selbst am allerschlimmsten.
Mein Cousin steckt sich eine Zigarette an. "Wir haben gerade über dich geredet." Sein Blick ist lauernd, prüfend.
Allein an seinem Tonfall weiß ich das komplette Gespräch. Wer, was. Ich stelle mich dumm, um Zeit zu schinden. "Wer?"
"Deine Mama und ich." Ein Zwanzigjähriger, der sich selber als einer meiner wichtigsten Bezugspersonen sieht. Und eine Person, die meine wichtigste Bezugsperson sein sollte. Und die Tatsachen, die mich es nicht akzeptieren lassen.
"Lass mich raten." Sarkasmus mischt sich unbemerkt unter meine Stimme. "Ihr habt darüber geredet, dass ich vor kurzer Zeit für ein paar Stunden ausgerissen bin und eine böse, unkontrollierbare Tochter bin, die nicht auf die Mutter hört und ihr ständig widerspricht?" Ich speie alles aus, mit leiser Verachtung, obwohl er sicherlich nicht zu den Personen gehört, die Schuld daran tragen.
Er zieht ganz gefasst und lässt sich Zeit. "Auch", gibt er nach einer kleinen Weile zu. Schnippt Asche weg. "Weißt du, ich verstehe dich vollkommen. Aber ich verstehe auch, warum deine Mutter so denkt. Das kommt mit der Zeit. Und was du gerade durchmachst, ist völlig normal. Wirklich. Eigentlich gar nichts. Ich war viel schlimmer..." - er hebt grinsend seine Zigarette - "und du wirst auch nach und nach mehr verstehen..."
Bei diesen Worten hat er bei mir verloren. Ich durchwühle meine Tasche und werfe ihm meine Schachtel zu.
Er fängt sie ungeschickt, aber sie trudelt nicht zu Boden. "John Player", liest er laut. Dann schaut er mich mit einem süffisanten Lächeln an. "Du rauchst?" Er lacht und lässt die Schachtel zurücksegeln. "Im Ernst?"
Ich fange sie auf, halte sie wortlos in die Höhe und verstaue sie wieder.
Er lacht immer noch. "Du kleine Rebellin, du." Seine Gesichtszüge werden weicher. "Aber im Gründe bist du wirklich lieb."
Nein, mein Lieber, ich glaube nicht, dass du schlimmer warst als ich. Dass du rauchst und vermutlich auch kiffst, offensichtlich. Aber du hast nicht das zwanghafte Gefühl, dünner werden zu müssen und dass dieses Gefühl dich überwältigt. Dass du manchmal Tabletten nimmst, die man nicht nehmen muss. Dass du Einwegrasierer auseinanderbaust, um die Klinge herauszunehmen.
Und dieses einzige Empfinden, dass du eine absolute Katastrophe für Eltern und Freunde darstellst.
Vielen lieben Dank für Eure Worte und Kommentare, sie bedeuten mir sehr viel. Sobald ich wieder in Reichweite eines Laptops komme, beantworte ich sie.
Allein an seinem Tonfall weiß ich das komplette Gespräch. Wer, was. Ich stelle mich dumm, um Zeit zu schinden. "Wer?"
"Deine Mama und ich." Ein Zwanzigjähriger, der sich selber als einer meiner wichtigsten Bezugspersonen sieht. Und eine Person, die meine wichtigste Bezugsperson sein sollte. Und die Tatsachen, die mich es nicht akzeptieren lassen.
"Lass mich raten." Sarkasmus mischt sich unbemerkt unter meine Stimme. "Ihr habt darüber geredet, dass ich vor kurzer Zeit für ein paar Stunden ausgerissen bin und eine böse, unkontrollierbare Tochter bin, die nicht auf die Mutter hört und ihr ständig widerspricht?" Ich speie alles aus, mit leiser Verachtung, obwohl er sicherlich nicht zu den Personen gehört, die Schuld daran tragen.
Er zieht ganz gefasst und lässt sich Zeit. "Auch", gibt er nach einer kleinen Weile zu. Schnippt Asche weg. "Weißt du, ich verstehe dich vollkommen. Aber ich verstehe auch, warum deine Mutter so denkt. Das kommt mit der Zeit. Und was du gerade durchmachst, ist völlig normal. Wirklich. Eigentlich gar nichts. Ich war viel schlimmer..." - er hebt grinsend seine Zigarette - "und du wirst auch nach und nach mehr verstehen..."
Bei diesen Worten hat er bei mir verloren. Ich durchwühle meine Tasche und werfe ihm meine Schachtel zu.
Er fängt sie ungeschickt, aber sie trudelt nicht zu Boden. "John Player", liest er laut. Dann schaut er mich mit einem süffisanten Lächeln an. "Du rauchst?" Er lacht und lässt die Schachtel zurücksegeln. "Im Ernst?"
Ich fange sie auf, halte sie wortlos in die Höhe und verstaue sie wieder.
Er lacht immer noch. "Du kleine Rebellin, du." Seine Gesichtszüge werden weicher. "Aber im Gründe bist du wirklich lieb."
Nein, mein Lieber, ich glaube nicht, dass du schlimmer warst als ich. Dass du rauchst und vermutlich auch kiffst, offensichtlich. Aber du hast nicht das zwanghafte Gefühl, dünner werden zu müssen und dass dieses Gefühl dich überwältigt. Dass du manchmal Tabletten nimmst, die man nicht nehmen muss. Dass du Einwegrasierer auseinanderbaust, um die Klinge herauszunehmen.
Und dieses einzige Empfinden, dass du eine absolute Katastrophe für Eltern und Freunde darstellst.
Vielen lieben Dank für Eure Worte und Kommentare, sie bedeuten mir sehr viel. Sobald ich wieder in Reichweite eines Laptops komme, beantworte ich sie.
2013/03/29
Everyone's happier... without me.
Mein Vater hat die Hand drohend ausgeholt. Ich zucke reflexartig zurück. Und hasse mich im nächsten Moment dafür. Tu nicht was er sehen will. "Weißt du, dass ich so sauer auf dich bin, dass ich dich umbringen könnte?", brüllt er mich an. "Ich muss nur ein paar Mal auf dich einstechen und dann muss ich nicht mehr ständig etwas für dich machen."
Keine leeren Worte. Dafür ist er zu rasend vor Wut. Ich halte die Luft an.
"Wenn du die Scheiße hier gleich nicht aufgeräumt hast schlag ich dich bis du tot bist und dann brauche ich nicht mehr so leben!"
2013/03/24
Blogaward #2

Plötzlich noch so ein Blogaward. Wochen her und jetzt erst Zeit. Vielen Dank an Katy!
Die Regeln:
Wenn du von jemandem nominiert wirst, musst du das obrige Bild in einem Post veröffentlichen, dich bei dem Blogger bedanken und seinen Bloglink einfügen, die 11 Fragen beantworten und 20 andere Blogger (mit weniger als 200 Followern!) nominieren.
11 Fragen:
2013/03/22
dicker schädel, dünne haut
"Wirst du gleich abgeholt?" Eine dieser Fragen, denen Antworten man bereits weiß. Er bleibt die halbstündige Pause da und läuft entweder oder nimmt den Bus. Nur irgendwas fragen, damit man auf das Thema kommt.
"Ja."
Die Glasphiole in mir zerbricht. "Im Ernst jetzt?" Die Ungläubigkeit tropft auf den Boden.
"Ja." Verwirrung in seinen Augen. "Fahrstunde. Ich werd von meinem Fahrlehrer abgeholt."
Ich wollte nach der Schule mit dir reden, liegt mir auf der Zunge, will das alles klären, mich entschuldigen für meine selbstzerstörerische Art, es tut mir leid. Wende den Blick ab und starre die Wand an, um ihm es nicht zu erklären. Der kleine Zettel in meiner Hosentasche wiegt immer mehr, zieht meinen Körper runter, mich.
Er verschwindet nach Schulschluss hektisch, ohne Abschied, ohne alles. Bin noch halb auf dem Schulgelände. Feuerzeug und Zettel am selben Ort, nehme beides raus. Falte das Papier auseinander. Dicht mit Bleistift beschrieben, Probleme, die ein Gespräch bilden sollen. Habe es regelrecht auswendig gelernt. Anscheinend bin ich unfähig zu reden, unfähig zu schreiben. Ein Klicken, eine Flamme. Die Notiz fängt Feuer, verbrennt, ich lasse es fallen, trete den Rest aus.
Die Tinte in meinem Hirn verblasst trotzdem nicht.
Aber in Wirklichkeit will ich es nicht sagen, nein, will nicht darüber reden oder schreiben, weil es sich auf diese Weisen nicht lösen lässt, nur höchstens für den Moment. Ich will das alles nicht. Die Angst sitzt fest in meinem Charakterzug und das irgendwo hinter den Rippen und da komme ich nicht heran. Wächst nur mit jeder Situation wie ein Tumor.
"Ja."
Die Glasphiole in mir zerbricht. "Im Ernst jetzt?" Die Ungläubigkeit tropft auf den Boden.
"Ja." Verwirrung in seinen Augen. "Fahrstunde. Ich werd von meinem Fahrlehrer abgeholt."
Ich wollte nach der Schule mit dir reden, liegt mir auf der Zunge, will das alles klären, mich entschuldigen für meine selbstzerstörerische Art, es tut mir leid. Wende den Blick ab und starre die Wand an, um ihm es nicht zu erklären. Der kleine Zettel in meiner Hosentasche wiegt immer mehr, zieht meinen Körper runter, mich.
Er verschwindet nach Schulschluss hektisch, ohne Abschied, ohne alles. Bin noch halb auf dem Schulgelände. Feuerzeug und Zettel am selben Ort, nehme beides raus. Falte das Papier auseinander. Dicht mit Bleistift beschrieben, Probleme, die ein Gespräch bilden sollen. Habe es regelrecht auswendig gelernt. Anscheinend bin ich unfähig zu reden, unfähig zu schreiben. Ein Klicken, eine Flamme. Die Notiz fängt Feuer, verbrennt, ich lasse es fallen, trete den Rest aus.
Die Tinte in meinem Hirn verblasst trotzdem nicht.
Aber in Wirklichkeit will ich es nicht sagen, nein, will nicht darüber reden oder schreiben, weil es sich auf diese Weisen nicht lösen lässt, nur höchstens für den Moment. Ich will das alles nicht. Die Angst sitzt fest in meinem Charakterzug und das irgendwo hinter den Rippen und da komme ich nicht heran. Wächst nur mit jeder Situation wie ein Tumor.
2013/03/18
Hab mal wieder verkackt. Wird langsam zum Alltag.
Zwang des extremen Perfektionismus. Immer in dem Moment, wo alles perfekt erscheint. Kann mich nicht mit diesem annähernd perfekt abgeben. Seziere das Problem, währenddessen zerfällt die Welt in Trümmern. In immer kleinere Scherben. Und irgendwann treibe ich in einem Splittermeer. Unfähig, irgendeinen Zug zu machen, ohne gleich dabei die Seele zu zerschlitzen. Und plötzlich vegetiert man wieder dort vor sich hin, von wo man sich gerade erst herausgewunden hat.
Mir wäre es, als suche ich immer krampfhaft nach einem Faktor, um nicht glücklich zu sein.
Vielleicht will ich mir das gar nicht erlauben, tief im Inneren, weil er Erwartungen schürt.
Unerhebliche Einzelheiten, die alle ins gleiche Loch zielen.
Ich weiß, dass man es mit mir nicht leicht hat.
2013/03/15
"Ich mache grad Pommes, irgendwie hab ich Hunger drauf." Mein Vater schaut mich zweifelnd an. "Willst du auch was davon?"
"Hm. Mal schauen." Überschlage die Zahlen im Kopf. Zu viel an Überfluss für heute.
"Du bist doch schon fett, brauchst gar nicht so zu tun!", keift meine Mutter aus dem Wohnzimmer.
"Hast du mich gerade 'fett' genannt?" Meine Stimme ungewohnt leise. Als könnte der Klang den Albtraum wieder heraufbeschwören.
Sie schnaubt. "Ja, was denn sonst."
ERKLÄRT MIR WIE KANN ICH ES EUCH RECHTMACHEN
WIE
Heute auf zwei Feiern eingeladen, verrotte aber zuhause, weil ich angeblich jedes Wochenende weg bin und bis zu den Osterferien nicht mehr raus darf, an jeder Ecke Streit, Stress, Auseinandersetzung wegen Lappalien,ganz dezent keine Lust mehr.
"Hm. Mal schauen." Überschlage die Zahlen im Kopf. Zu viel an Überfluss für heute.
"Du bist doch schon fett, brauchst gar nicht so zu tun!", keift meine Mutter aus dem Wohnzimmer.
"Hast du mich gerade 'fett' genannt?" Meine Stimme ungewohnt leise. Als könnte der Klang den Albtraum wieder heraufbeschwören.
Sie schnaubt. "Ja, was denn sonst."
ERKLÄRT MIR WIE KANN ICH ES EUCH RECHTMACHEN
WIE
Heute auf zwei Feiern eingeladen, verrotte aber zuhause, weil ich angeblich jedes Wochenende weg bin und bis zu den Osterferien nicht mehr raus darf, an jeder Ecke Streit, Stress, Auseinandersetzung wegen Lappalien,
2013/03/11
Die Realität ist nur die Zwangsjacke meiner Fantasie.
Bus zu spät. Halbe Stunde lang schneidet mir Wind und Schnee in die Haut. Bus kommt, fährt ran, ich steige ein, zehn Minuten Wärme, hetze hinten raus, sowieso spät dran. Links nichts kein Auto. Ich höre nichts außer das Brummen des Busses. Trete auf die Straße.
Zu viele Dinge auf einmal.
Lange Streifen im Augenwinkel.
Metallisches Kreischen.
Mein hinteres Bein zuckt einen halben Schritt zurück.
Ruckende Bewegung in meiner Nähe.
Blick nach rechts.
Cobaltblauer Nissan.
Die Stoßstange keine dreißig Zentimeter von meinem Bein entfernt.
Zwei Sekunden Zögern.
Ich überquere in Laufschritten die Straße. Wütendes Hupen. Entschuldigend hebe ich meine Hand, ohne mich umzudrehen.
Hättest du mal nicht gebremst.
Komme nicht dazu Kommentare + Blogaward zu beantworten, wird aber alles gesehen, hole ich so bald wie möglich nach, sorry...
Zu viele Dinge auf einmal.
Lange Streifen im Augenwinkel.
Metallisches Kreischen.
Mein hinteres Bein zuckt einen halben Schritt zurück.
Ruckende Bewegung in meiner Nähe.
Blick nach rechts.
Cobaltblauer Nissan.
Die Stoßstange keine dreißig Zentimeter von meinem Bein entfernt.
Zwei Sekunden Zögern.
Ich überquere in Laufschritten die Straße. Wütendes Hupen. Entschuldigend hebe ich meine Hand, ohne mich umzudrehen.
Hättest du mal nicht gebremst.
Komme nicht dazu Kommentare + Blogaward zu beantworten, wird aber alles gesehen, hole ich so bald wie möglich nach, sorry...
2013/03/06
Ich könnte oft schweigen und daran ersticken.
Schule.
Verstand ausschalten und funktionieren.
Alles in Ordnung bei dir?
Lächeln und bejahen.
Essen wird hingehalten.
Ablehnen und Selbsterhaltungstrieb übertönen.
Hunger.
Wasser, Kaugummi, Zigarette. Geht aufs Geld und die Gesundheit aber um letzteres schere ich mich erst recht nicht.
Ignoranz.
Rückzug in Selbstisolation, Nihilismus und dem Gedankenstrom nachgeben.
Mein Leben eine langsame Endlosschleife. Alles so beliebig, so austauschbar. Aufstehen, zur Schule schleppen, dort Theater spielen, nach Hause, dort Theater spielen. Tür schließen und die Wand anstarren. Tag vorbei. Ich nehme die Welt nur noch durch den Nebel der Müdigkeit war und schiebe mich eher durch das Leben, als da durch zu gehen.
2013/03/03
Okay, ich bin ein Wrack. Ein Grund dafür ist, dass ich nichts vergessen kann.
Wenn man sich vor Kopfschmerzen nicht mehr wagt aufzustehen. Weil man sich nicht sicher ist, ob man festen Stand hat. Nicht einfach die Knie nachgeben und man zu Boden fällt. Weil die Gedanken, die nachts auf einen losgelassen werden immer noch zerfleischen.
Ich frage mich, wieviel mein rechtes Handgelenk noch aushält. Ein tiefvioletter Fleck blüht auf, durchsetzt mit roten Striemen. Obwohl das schon in der Nacht war. Nach zwanzig Bissen hatte ich aufgehört zu zählen, und irgendwann frühmorgens kam das Gummiband hinzu... Schnitte zu auffällig und meine Eltern liegen da regelrecht auf der Lauer.
Ich frage mich, wieviel mein rechtes Handgelenk noch aushält. Ein tiefvioletter Fleck blüht auf, durchsetzt mit roten Striemen. Obwohl das schon in der Nacht war. Nach zwanzig Bissen hatte ich aufgehört zu zählen, und irgendwann frühmorgens kam das Gummiband hinzu... Schnitte zu auffällig und meine Eltern liegen da regelrecht auf der Lauer.
Auf Tumblr tummeln, als Anon Liebe verteilen die ich so selbst dringend nötig hätte und mich nutzvoll fühlen.
2013/03/02
Someone hold me, I'm done with this game.
Es fängt wieder an. Die innere Niedergeschlagenheit; das Gefühl bloß hinzusiechen und das alles, was man anfasst, zu bösartig glitzerndem Sand zerfällt. Strudel aus Panik, der mich ergreift. Aufblitzende Angst vor dem Leben.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich dieses Gefühl vermisst habe. Aber es hat dem Glück eins voraus: Vertrautheit. Es ist ungebeten, aber nichtsdestoweniger willkommen. Und ich weiß in etwa, wie ich damit umzugehen habe. Oder auch nicht.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich dieses Gefühl vermisst habe. Aber es hat dem Glück eins voraus: Vertrautheit. Es ist ungebeten, aber nichtsdestoweniger willkommen. Und ich weiß in etwa, wie ich damit umzugehen habe. Oder auch nicht.
2013/02/28
Die Kurve beginnt eher als man lenkt.
Schön blöd, wenn man die Chance der Distanz nicht nutzt. Sich blindlings an Erinnerungen klammert, ohne die man ertrinken würde. Anstatt sich eine Weile treiben zu lassen und den Nebel im Kopf loszuwerden, aber ist man während der Liebe jemals bei klarem Verstand? Jeder Pfennig Hoffnung ausgezahlt, mein Inneres ein einziger Bankrott.
Sechsundzwanzig Sekunden Sprachnachricht.
Aufgenommen, als du dicht warst.
Gesendet, während du dich betrunken hast.
Vielleicht ein wenig krank, dass ich ausgerechnet die Worte, die du im Rauschzustand losgeworden bist, auf die Goldwaage lege.
Ich will sie hören.
Ich brauche diese Bestätigung, dass du für mich fühlst.
Vielleicht ein wenig masochistisch, dass ich sie mir beinah jede Nacht anhöre.
Ich will sie nicht hören.
Denn das Wissen, dass du die wichtigsten drei Worte seit über einen Monat nicht mehr zu mir gesagt hast...
... tötet quälend langsam.
Sechsundzwanzig Sekunden Sprachnachricht.
Aufgenommen, als du dicht warst.
Gesendet, während du dich betrunken hast.
Vielleicht ein wenig krank, dass ich ausgerechnet die Worte, die du im Rauschzustand losgeworden bist, auf die Goldwaage lege.
Ich will sie hören.
Ich brauche diese Bestätigung, dass du für mich fühlst.
Vielleicht ein wenig masochistisch, dass ich sie mir beinah jede Nacht anhöre.
Ich will sie nicht hören.
Denn das Wissen, dass du die wichtigsten drei Worte seit über einen Monat nicht mehr zu mir gesagt hast...
... tötet quälend langsam.
2013/02/26
Drinnen saßen stehend Leute schweigend in ein Gespräch vertieft.
Seit Stunden meldet sich mein Magen. Ich habe die Phase mit Unmengen Wasser und Kaugummi rauszögern können, aber vor Hunger kann ich mich kaum konzentrieren. Letzte Schulstunde fällt aus und in diesem Zustand werde ich zuhause kaum einer Fressattacke entgehen können. Schlimm genug, dass selbst meine Mutter mich zum Essen zwingt, selbst wenn es nur Obst ist.
Mein Freund, mein bester Freund und A. laufen denselben Weg mit mir. Ersterer braucht noch Kippen vom Kiosk neben meinem Haus, weil sie an Minderjährige verkaufen. Und A. ist zufälligerweise der Bruder des Kioskbesitzers.
Die Gespräche lenken mich ab. Bis die Themen ausschweifen. Ich nicht mehr folgen kann. mein kopf dröhnt mit jedem Schritt. In meinem Bauch rollt sich der Magen zu einer Kugel zusammen.
Verdammt. Ich durchwühle meine vordere Tasche, bekomme die Schachtel zu greifen, ziehe eine Kippe heraus und zünde sie an. Anders kann ich es nicht mehr bewältigen.
"Muss das jetzt sein?", murrt mein bester Freund.
"Ja", antworte ich gelassen und füge ohne jede Spur des Bedauerns hinzu: "Sorry."
Meine Kehle trocknet aus, und mit dem Speichel verschwindet auch der Essensdrang.
"Was würdest du jetzt tun, wenn deine Eltern dir entgegenfahren würden?"
"Die Kippe fallen lassen?", erwidere ich leicht bissig, obwohl er für meine Stimmung nichts kann.
"Und was ist, wenn du sie nicht siehst, aber die dich?"
Ich nehme demonstrativ einen Zug und zucke mit den Schultern.
"Dann wärst du tot", schlussfolgert er und wirft mir einen Seitenblick zu. "Wäre das nicht bisschen viel Stress für eine Zigarette?"
Heroisch, wie er mich vom Rauchen abbringen will. Ihm zuliebe habe ich mir vorgenommen, nicht so viel zu rauchen, dass ich abhängig werde. Ich kämpfe gegen einen leichten Anflug von Reue, aber ein Knurren im Inneren macht alles zunichte.
A. huscht vor uns in den Kiosk, stellt sich hinter den Tresen und schaut uns auffordernd an.
Ich nicke meinem Freund zu. "Mach."
"Nee nee", wehrt er ab. "Mach du zuerst."
Verdrehe die Augen. Fixiere die Schachteln hinter A. Krame mein Kleingeld hervor. "Einmal Papers."
A. zeigt zögernd nach links auf die Long Papers. "Die etwa?", fragt er überrascht.
"Ja."
"Für wen? Für ihn?" Er deutet auf meinen Freund, tippt den Preis ein.
Seine Konfusion lässt mich lächeln. "Für mich."
Er hebt eine Augenbraue und kassiert. "Seit wann paffst du?"
Ich schiebe die Unterlippe vor und sage nichts.
"Das sag ich deiner Mutter", droht er grinsend und entringt mir ein Lachen damit. Ich gehe zur Seite und lasse meinen Freund dran.
A. scheint immer noch nicht ganz überzeugt zu sein. Während er die Sachen auf den Tresen legt, fragt er nochmal: "Für wen?"
"Für mich, wirklich!" Seine Hartnäckigkeit ist bewundernswert.
"Ich dachte du bist voll schlau und artig und so."
Meine Mundwinkel zucken nach oben.
Er scheint das Gespräch unbedingt weiterführen zu wollen. "Und woher bekommst du das?"
"Was?"
"Das Grüne."
"Hab so meine Quellen", antworte ich lakonisch.
Er hält uns die Tür auf. "Warum? Warum machst du sowas?"
Damit ich nicht alternativ scharfe Gegenstände in die Haut ramme und damit ich nicht esse.
Ich zucke mit den Schultern, setze ein dümmliches Lächeln auf und lasse ihn und meinen besten Freund im Glauben, ich tue das nur, um cool zu sein.
Mein Freund, mein bester Freund und A. laufen denselben Weg mit mir. Ersterer braucht noch Kippen vom Kiosk neben meinem Haus, weil sie an Minderjährige verkaufen. Und A. ist zufälligerweise der Bruder des Kioskbesitzers.
Die Gespräche lenken mich ab. Bis die Themen ausschweifen. Ich nicht mehr folgen kann. mein kopf dröhnt mit jedem Schritt. In meinem Bauch rollt sich der Magen zu einer Kugel zusammen.
Verdammt. Ich durchwühle meine vordere Tasche, bekomme die Schachtel zu greifen, ziehe eine Kippe heraus und zünde sie an. Anders kann ich es nicht mehr bewältigen.
"Muss das jetzt sein?", murrt mein bester Freund.
"Ja", antworte ich gelassen und füge ohne jede Spur des Bedauerns hinzu: "Sorry."
Meine Kehle trocknet aus, und mit dem Speichel verschwindet auch der Essensdrang.
"Was würdest du jetzt tun, wenn deine Eltern dir entgegenfahren würden?"
"Die Kippe fallen lassen?", erwidere ich leicht bissig, obwohl er für meine Stimmung nichts kann.
"Und was ist, wenn du sie nicht siehst, aber die dich?"
Ich nehme demonstrativ einen Zug und zucke mit den Schultern.
"Dann wärst du tot", schlussfolgert er und wirft mir einen Seitenblick zu. "Wäre das nicht bisschen viel Stress für eine Zigarette?"
Heroisch, wie er mich vom Rauchen abbringen will. Ihm zuliebe habe ich mir vorgenommen, nicht so viel zu rauchen, dass ich abhängig werde. Ich kämpfe gegen einen leichten Anflug von Reue, aber ein Knurren im Inneren macht alles zunichte.
A. huscht vor uns in den Kiosk, stellt sich hinter den Tresen und schaut uns auffordernd an.
Ich nicke meinem Freund zu. "Mach."
"Nee nee", wehrt er ab. "Mach du zuerst."
Verdrehe die Augen. Fixiere die Schachteln hinter A. Krame mein Kleingeld hervor. "Einmal Papers."
A. zeigt zögernd nach links auf die Long Papers. "Die etwa?", fragt er überrascht.
"Ja."
"Für wen? Für ihn?" Er deutet auf meinen Freund, tippt den Preis ein.
Seine Konfusion lässt mich lächeln. "Für mich."
Er hebt eine Augenbraue und kassiert. "Seit wann paffst du?"
Ich schiebe die Unterlippe vor und sage nichts.
"Das sag ich deiner Mutter", droht er grinsend und entringt mir ein Lachen damit. Ich gehe zur Seite und lasse meinen Freund dran.
A. scheint immer noch nicht ganz überzeugt zu sein. Während er die Sachen auf den Tresen legt, fragt er nochmal: "Für wen?"
"Für mich, wirklich!" Seine Hartnäckigkeit ist bewundernswert.
"Ich dachte du bist voll schlau und artig und so."
Meine Mundwinkel zucken nach oben.
Er scheint das Gespräch unbedingt weiterführen zu wollen. "Und woher bekommst du das?"
"Was?"
"Das Grüne."
"Hab so meine Quellen", antworte ich lakonisch.
Er hält uns die Tür auf. "Warum? Warum machst du sowas?"
Damit ich nicht alternativ scharfe Gegenstände in die Haut ramme und damit ich nicht esse.
Ich zucke mit den Schultern, setze ein dümmliches Lächeln auf und lasse ihn und meinen besten Freund im Glauben, ich tue das nur, um cool zu sein.
2013/02/22
Und ich spür täglich Erwartungsdruck, brauch Atemluft, alles bewegt sich, dreht sich, ergreife grad die Flucht.
Schön, wie ich es selber nicht bemerke.
Problem ist einfach, ich hab nicht mal Zugang zu mir selbst.
Ich fühle mich, als hätte man mir einen Grund zur Existenz geraubt. Nicht, dass ich je einen gehabt hätte. Aber jetzt ist einfach nur Leere. Unentschlossenheit. Mein Leben wird anders aufgefüllt. Bin auf die Figur fixiert, mache oft Sport, aber noch öfter esse ich viel und lasse den Sport komplett weg. Kaum Anlässe zum Schneiden und Beißen. Nirgendwo grad Stress in Relationen und das ist so verdammt ungewohnt. Nur Kippen runterwürgen, um den Hunger wegzurauchen.
Außerdem eine ungewohnte Angst... Angst vor zwischenmenschlichen Beziehungen. Teilweise gebe ich einige von ihnen nach und nach auf. Ich bemühe mich nicht mehr, sie zu halten. Geleitet von der Furcht, dass sie mich irgendwann mal komplett kennen. Vollkommen irrational. Aber ich kämpfe verbissen dagegen, ein offenes Buch zu sein. Je offener ich bin, desto mehr Angriffsfläche gebe ich her. Ob man mich bewusst oder unbewusst verletzt... Ob da ein Vorsatz ist oder keiner ändert nichts daran, dass es am Ende dasselbe Loch bleibt. Verdreckt, kalt, leer. Und bei einer, die lächerliche Kleinigkeiten schon belastet, ist das nicht zu gebrauchen.
Schiebe Leute von mir weg. Außer die wenigsten, weil sie mein Halt im Leben sind. Mehr mein Fundament als ich selbst. Aber abgesehen davon - Alleinsein bekommt mir. Solange es nicht Einsamkeit wird. Mein ganzes Leben besteht aus Isolation, also werde ich es jetzt auch noch aushalten.
2013/02/19
"Ich hab gestern die halbe Nacht geweint, als ich deinen Blog gelesen habe."
Bisschen Blut sehen wär doch ganz nett.
Egoistisches, fettes Miststück. Schaffe es, meiner besten Freundin durchgehend Sorgen zu bereiten. So auf meine eigenen Kleinigkeiten konzentriert, dass ich sie vernachlässige, obwohl sie mich wohl dringend braucht. Ich sie links liegen lasse. Ich hasse mich hasse mich hasse mich dafür.
- Was kannst du eigentlich?
- Nichts. Das ist es ja gerade.
Probleme für's Leben zu groß, für's Sterben zu klein.
Josh kommt auf mich zu. Um mich zum Jugendamt zu begleiten. Zwischen zehn und elf Uhr.
Er hält mir seine Zigarettenschachtel hin. "Du siehst so aus, als könntest du eine gebrauchen."
Ich bin versucht, mir eine herauszunehmen, aber ich kralle meine Hände in der Jackeninnentasche fest. "Hm ja. Danke, aber ich hab selber welche."
Er zuckt mit den Schultern, holt sich selber eine raus und zündet sie an. Ich warte, bis wir vom Schulgelände sind und durchwühl meine Tasche nach meinen Zigaretten. Will die Gedanken loslassen, wie der Rauch, der in die Luft greift und stetig verblasst, sich verliert.
Er redet mir gut zu, versucht mir meine Angst zu nehmen. Vollkommen irrational. Ich sträube mich innerlich dagegen, zum Jugendamt zu gehen, weil mir meine Probleme als nicht wichtig genug erscheinen, um da irgendeine Behörde einzuschalten.
"Ich finde es gut, dass du das machst." Seine Stimme beruhigt mich. Was mir durch den Strich geht. Alles in mir will sich am Boden festkrallen. Stehen bleiben. Ich will nicht dieses Problemkind aus dem RTL-Nachmittagsprogramm sein, was bei jeder Mickrigkeit zu einer staatlichen Instanz rennt und glaubt, sich damit geltend machen zu können. "Es ist völlig normal, dass du aufgedreht bist. Sieh es so, als würdest du es einem Freund erzählen. Jetzt allerdings jemanden, der mehr Ahnung davon hat als ich." Er zieht. "Du brauchst jetzt nicht ein schlechtes Gewissen gegenüber deinen Eltern zu haben."
Falsche Interpretation. Oder versuche ich es mir nur selbst weiszumachen, dass ich an allem Schuld bin? Konfuse Gedanken. Ich schweige und schnippe Asche weg.
Er mustert mich. "Wenn du nicht willst, zwing dich nicht dazu."
"Ich habe schon einen Termin gemacht."
"Du musst da nicht hin, du kannst auch wieder absagen."
Ich überlege ernsthaft, ob ich seine Vorlage annehmen und wieder zurück soll. Was will ich eigentlich?
Fernbleiben. Josh und Naya und Nina den Gefallen tun und dort Hilfe suchen. Wissen, dass Hilfe da ist, ich aber zu schwach bin, sie anzunehmen.
Die Sache über mich ergehen lassen und hoffen, dass sich alles von selbst klärt. Ja, es ist naiv.
Das Gespräch lief ziemlich nüchtern ab.
Die Beraterin ließ mich weitgehend erzählen, warf ab und zu was ein. Fragte mich, was ich vom Jugendamt erwarte. Was ich ändern will. Und sobald diese Fragen auftauchten, wusste ich, dass ich gar nichts wollte. Veränderungen nicht haben will, aus Angst, sie könnten noch schlechter sein als meine jetzige Situation. Öl ins Feuer gießen. Hinterher meinte Josh, ich wäre ziemlich zurückhaltend im Erzählen gewesen. Und da kennt er mich gut. Ich habe eine Menge zurückgehalten. Hätte ich noch SVV erwähnt, wäre die Sache längst nicht ausgesessen.
Vorschlag: Ich sollte mich mit meinen Eltern auf neutralem Boden, das heißt Jugendamt oder Beratungsstelle zusammensetzen und die Sache aussitzen.
Das können alle schön knicken. Das werde ich mit Ihnen bestimmt nicht machen. Meinen Eltern ist es völlig egal. Punktum.
"Wollen Sie unbedingt raus, also würden Sie sagen Sie können es zuhause nicht mehr aushalten und möchten, dass wir Sie aus Ihrer Familie holen?"
"Nein", höre ich mich selber sagen. Die Lüge rollt über meine Zunge, tränkt den Raum. Ertränkt mich. "Ich will eigentlich nur diese Phasen voller Streit vermeiden. Aber wirklich weg will ich nicht, nein."
Von Behörde zur nächsten Institution weitergeschickt. Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Mir fällt es verdammt schwer, Interesse zu heucheln. Sie erklärt mir das Prinzip und schlägt mir vor, was ich als nächstes tun soll. Ich bringe nicht mehr die Aufmerksamkeit auf, ihr zuzuhören. Sie redet weiter, aber die Bedeutung der Wörter flirren in der Luft, ohne dass sie bei mir im Hirn ankommen. Leere Worte, die vertuschen sollen, dass es nicht in ihrer Macht steht, irgendwas zu verändern, aber das habe ich ja von vornherein nicht erwartet.
Wo ich hin will, da will kein normaler Mensch hin.
Ich hab bis jetzt jeden,
der mich liebte,
in die Knie gezwungen,
niemand wusste mit mir umzugehen,
nicht mal meine Familie.
Maeckes
| Soviel zu "Ich rauche nur gelegentlich". Bisherige Packungen seit diesem Jahr. Fuck. |
2013/02/18
Es wird Zeit alle Menschen umzubringen - am besten fang ich gleich mal mit mir an.
Es ist kackenschwierig. Nichts zu essen, während alle um dich herum Essen rausholen. Direkt neben dir warmer Essensgeruch aufsteigt. Mein Magen sagt Keinen Hunger, mein Verstand Das schmeckt bestimmt gut. Ich schiebe unerlässlich Kaugummis zwischen meine Zähne, um Fressanfälle zu unterbinden. Mein Schlafmangel tut mir da auch einen Gefallen. Bin so erschöpft, ich bekomm kaum was runter.
Mein Freund hält mir Essen vor den Mund. Käse-Schinken-Croissant. Ich halte die Luft an und schüttel den Kopf. "Ich hab Kaugummi im Mund", stoße ich mühsam hervor.
Er bleibt eisern. "Dann spuck aus."
Noch während das Kaugummi dem Asphalt entgegensegelt, weiß ich, dass es ein ziemlich großer Fehler ist, nachzugeben.
Ich versuche das kleinstmögliche Stück abzubeißen, doch als das Stück Blätterteig zwischen meinen Kiefern klemmt, lässt er los. Er zwingt dich zu essen verdammt! Meine Hand fährt automatisch an den Mund, damit das Croissant nicht herunterfällt. Er grinst mich verschlagen an.
Demnächst tappe ich nicht mehr in die Falle.
Morgen Jugendamt. Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht, was ich da zu suchen habe...
Mein Freund hält mir Essen vor den Mund. Käse-Schinken-Croissant. Ich halte die Luft an und schüttel den Kopf. "Ich hab Kaugummi im Mund", stoße ich mühsam hervor.
Er bleibt eisern. "Dann spuck aus."
Noch während das Kaugummi dem Asphalt entgegensegelt, weiß ich, dass es ein ziemlich großer Fehler ist, nachzugeben.
Ich versuche das kleinstmögliche Stück abzubeißen, doch als das Stück Blätterteig zwischen meinen Kiefern klemmt, lässt er los. Er zwingt dich zu essen verdammt! Meine Hand fährt automatisch an den Mund, damit das Croissant nicht herunterfällt. Er grinst mich verschlagen an.
Demnächst tappe ich nicht mehr in die Falle.
Morgen Jugendamt. Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht, was ich da zu suchen habe...
2013/02/15
Wer ist schon gut genug für dein Augenmerk?
"Anna, kommst du mal mit." Meine Lehrerin geht zur Tür.
Die Augen aller Mitschüler meines Leistungskurses sind auf mich gerichtet. Ich will sie ausblenden, aber ich sehe überall Fragezeichen.
Im Flur ist das Licht aus. Der Schlüsselbund klirrt in ihren Händen, aber sie sagt nichts und dafür bin ich ihr dankbar. Sie hat mich nicht mal am Anfang der Stunde - als ich sie abgefangen und gebeten habe, mich in ihren Unterrichtsstunden zum Jugendamt gehen zu lassen - fragend angeschaut. Hat bloß wissen wollen, ob ich einen Termin habe. Und als ich kleinlaut verneint habe, ist sie mit mir in den Unterricht gegangen, hat den anderen eine Aufgabe hingeklatscht und mich dann rausgeholt.
Sie schließt das Oberstufenbüro auf, fährt den Computer hoch und sucht im Internet nach der Telefonnummer. Notiert sie auf ein Stück vergilbtes Papier, gibt es mir und deutet auf das schnurlose Telefon in der Ecke.
Meine Angst wächst mit jeder Ziffer, die auf dem Display erscheint, als ich sie eingebe. Das Jugendamt wird es zu nichts bringen.
Das nervtötende Tuten hört auf. "Guten Tag."
Die Augen aller Mitschüler meines Leistungskurses sind auf mich gerichtet. Ich will sie ausblenden, aber ich sehe überall Fragezeichen.
Im Flur ist das Licht aus. Der Schlüsselbund klirrt in ihren Händen, aber sie sagt nichts und dafür bin ich ihr dankbar. Sie hat mich nicht mal am Anfang der Stunde - als ich sie abgefangen und gebeten habe, mich in ihren Unterrichtsstunden zum Jugendamt gehen zu lassen - fragend angeschaut. Hat bloß wissen wollen, ob ich einen Termin habe. Und als ich kleinlaut verneint habe, ist sie mit mir in den Unterricht gegangen, hat den anderen eine Aufgabe hingeklatscht und mich dann rausgeholt.
Sie schließt das Oberstufenbüro auf, fährt den Computer hoch und sucht im Internet nach der Telefonnummer. Notiert sie auf ein Stück vergilbtes Papier, gibt es mir und deutet auf das schnurlose Telefon in der Ecke.
Meine Angst wächst mit jeder Ziffer, die auf dem Display erscheint, als ich sie eingebe. Das Jugendamt wird es zu nichts bringen.
Das nervtötende Tuten hört auf. "Guten Tag."
Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, bis mir auffällt, dass die Stimme extrem unnatürlich intoniert. "... bei Sozialämtern wählen Sie bitte die Zwei. Bei Müllangelegenheiten drücken Sie die Drei. Möchten Sie persönlich weitergeleitet werden, drücken Sie die Neun."
Ich lasse das Telefon sinken und schaue meine Lehrerin hilfesuchend an. "Gehört das Jugendamt zu den Sozialämtern?"
"Nein, das Jugendamt ist das Jugendamt."
"Ja, aber da ist das Jugendamt nicht aufgeführt."
Sie schreibt irgendwas auf einen Fetzen Papier und legt mir es hin. "Ich habe noch eine andere Nummer gefunden, vielleicht -"
Irgendein helles Geräusch kommt aus dem Telefon. Erschrocken halte ich es mir wieder ans Ohr. "Hallo?"
"Guten Morgen", begrüßt mich eine freundliche Frauenstimme, "was kann ich für Sie tun?"
Dabei habe ich nicht mal die Neun gedrückt! "Guten Morgen. Ich würde gerne einen Termin beim Jugendamt vereinbaren, wäre das möglich?"
"Alles klar, ich leite sie weiter."
Es klickt. Beethovens Für Elise dudelt. Mein Blick schweift unruhig über den Raum. Meine Lehrerin scheint mit einigen Papieren beschäftigt zu sein, aber ich will sie nicht ansehen.
Die Weiterleitung spuckt mich zurück und ich bekomme eine neue Nummer diktiert. Hiebe die Zahlen in das Tastenfeld. Erneutes Klicken. Barscher, tiefer männlicher Tonfall. Komme kurz dazu, meine Sätze zu wiederholen. Werde erneut in die Weiterleitung geschickt.
"Hallo?" Diesmal leicht mädchenhaft. Jünger als alle bisherigen Stimmen. Trotzdem reif genug, um mir das Gefühl zu geben, ernstgenommen zu werden.
Begrüßung und Name verlassen meine Lippen, bevor ich es realisiert habe. "Ich habe zuhause gerade ein paar familiäre Probleme. Könnte ich einen Termin vereinbaren?"
"Ja, sagen Sie mir mal bitte einmal Ihre Straße?"
Wollen sie jemanden vorbeischicken? Das wäre genau das, was ich vermeiden will. Ich schlucke meinen Widerwillen herunter und nenne sie ihr.
"Ja, da sind Sie zum richtigen Team weitergeleitet worden, die werden nämlich nach Bezirken eingeteilt... Und wie alt sind Sie?"
"Sechzehn."
"Mhm. Und die Telefonnummer ist... neun, sechs, vier, vier-"
"Nein", falle ich ihr schnell ins Wort, "ich rufe von der Schule aus an."
"Soll ich dann zuhause anrufen oder wär das ungünstig?"
"Nee, das wäre nicht so gut."
"Könnten Sie mir dann Ihre Handynummer geben?"
Schön, wenn einige banalen Fragen schon darauf abzielen, wie es bei mir zuhause zugeht. "Ich habe mein Handy leider nur wochenends und bin unter der Nummer schlecht erreichbar..."
"Achso." Sie zögert leicht. "Na ja dann können wir von mir aus auch direkt einen Termin machen." Rascheln. "Bis wann haben Sie denn Schule?"
"Wäre es auch in der Schulzeit möglich? Ich habe mit der Schulleitung gesprochen" - ich blicke meine Lehrerin flüchtig an - "und das würde gehen."
"Ja klar. Also vormittags?"
"Ja."
"Nächste Woche Dienstag zwischen... zehn und elf Uhr?"
Matheunterricht beim stellvertretenden Schulleiter. Verlockende Aussicht, erlaubt blau zu machen. Ich kritzle Datum und Uhrzeit auf das Stück Papier. "Ja, das ist in Ordnung."
Am Ende wird es sowieso nichts bringen. Die Angst, mich von meiner gesamten Familie (meine Eltern ausgenommen) abzukapseln und von ihnen verstoßen zu werden übertont den Schrei nach Freiheit und Leben.
Begrüßung und Name verlassen meine Lippen, bevor ich es realisiert habe. "Ich habe zuhause gerade ein paar familiäre Probleme. Könnte ich einen Termin vereinbaren?"
"Ja, sagen Sie mir mal bitte einmal Ihre Straße?"
Wollen sie jemanden vorbeischicken? Das wäre genau das, was ich vermeiden will. Ich schlucke meinen Widerwillen herunter und nenne sie ihr.
"Ja, da sind Sie zum richtigen Team weitergeleitet worden, die werden nämlich nach Bezirken eingeteilt... Und wie alt sind Sie?"
"Sechzehn."
"Mhm. Und die Telefonnummer ist... neun, sechs, vier, vier-"
"Nein", falle ich ihr schnell ins Wort, "ich rufe von der Schule aus an."
"Soll ich dann zuhause anrufen oder wär das ungünstig?"
"Nee, das wäre nicht so gut."
"Könnten Sie mir dann Ihre Handynummer geben?"
Schön, wenn einige banalen Fragen schon darauf abzielen, wie es bei mir zuhause zugeht. "Ich habe mein Handy leider nur wochenends und bin unter der Nummer schlecht erreichbar..."
"Achso." Sie zögert leicht. "Na ja dann können wir von mir aus auch direkt einen Termin machen." Rascheln. "Bis wann haben Sie denn Schule?"
"Wäre es auch in der Schulzeit möglich? Ich habe mit der Schulleitung gesprochen" - ich blicke meine Lehrerin flüchtig an - "und das würde gehen."
"Ja klar. Also vormittags?"
"Ja."
"Nächste Woche Dienstag zwischen... zehn und elf Uhr?"
Matheunterricht beim stellvertretenden Schulleiter. Verlockende Aussicht, erlaubt blau zu machen. Ich kritzle Datum und Uhrzeit auf das Stück Papier. "Ja, das ist in Ordnung."
2013/02/09
Bald ist Valentinstag und ich habe immer noch nicht das passende Gewehr gefunden.
Und jedes Mal, wenn du sie erwähnst, erstickst du einen Teil von mir. Aber keine Sorge, sind nicht mehr viele Teile zu töten, bevor ich vollends aufgebe.
Ich hasse sie nicht. Wirklich nicht. Nach außen hin wirkt es wie krankhafte Eifersucht. Ich zweifle nicht an ihm oder an seiner Treue. Der Hass und der Zweifel richten sich gegen mich. Verlustängste, die nach mir greifen. Und da gehe ich schon bei den Kleinigkeiten durch, wirklich bei Kleinigkeiten, die man kaum verstehen kann. Dadurch, dass ich jemanden gefunden habe, der mich liebt und den ich liebe, überkommen mich oft irrationale Gefühle, die mich zur Selbstverletzung treiben. Weil meine Gedanken noch weiter ausufern in Bereiche, die mich meine gesamte Existenz hassen lassen, obwohl ich das sowieso schon ununterbrochen tue, und ich sie nur über Schmerz kontrollieren kann.
Weil ich weiß, nicht gut genug zu sein.
When home is where the heart is, why do I feel so fucking heartless?
Nacht. Ich atme krampfhaft, kann erstickte Schmerzenslaute nicht zurückhalten. Versuche wenigstens mein Zittern zu kontrollieren, aber es entzieht sich meiner Gewalt. Wie diese verdammten Gefühle. Will so kalt sein, dass auch ich endlich an meinen inneren Norden erfriere, aber bis jetzt spüre ich wie so üblich nur meinen Körper nicht. Kralle meine Hände in das Bettlaken, damit meine Nägel nicht meine wertlose Haut aufschlitzen. Beiße in die Decke, damit mein Handgelenk nicht zwischen dem Kiefer landet. Unterdrücke den sich keimenden, windenden Willen, doch er kennt meine Kriegsstrategien. Ist zäh genug, um meine Entschlossenheit zu würgen.
Ich wünschte, du wärst nie geboren worden, flüstert die Erinnerung. Die Stimme meiner Mutter hallt im Kopf.
So eine wie dich brauchen wir nicht, spuckt das Bild mit meinem Vater verächtlich aus.
Ich reiße die Decke weg, ziehe zischend Luft durch die Zähne, Tränen brennen sich durch meine Lider. Verbissen kämpfe ich darum, gegen die erdrückende Last stehen zu bleiben.
Warum hast du dich geschnitten?, frage ich sie. Sage ich dir nicht, wiegelt sie mich ab und lässt mich mit meinen Sorgen zurück.
Meine Fingerspitzen wandern über meinen Brustkorb. Verletzungen auf dünner Haut schmerzen viel mehr...
Ich umarme ihn, doch er reagiert nicht. Will ihn küssen, doch er beugt sich nicht runter. Manchmal dreht er sich weg. Stelle mich auf die Zehenspitzen, doch er drückt mich mit sanfter Bestimmtheit auf den Boden zurück und wendet sich ab.
Es reicht.
Ich falle in mich zusammen.
Der Gedanke bricht über mich herein, und ich ergebe mich beinah dankbar. Es pulsiert durch meine Adern, leckt sich durch meine Venen, verlangt sofortige Wiedergutmachung für meinen Widerstand.
Ich wünschte, du wärst nie geboren worden, flüstert die Erinnerung. Die Stimme meiner Mutter hallt im Kopf.
So eine wie dich brauchen wir nicht, spuckt das Bild mit meinem Vater verächtlich aus.
Ich reiße die Decke weg, ziehe zischend Luft durch die Zähne, Tränen brennen sich durch meine Lider. Verbissen kämpfe ich darum, gegen die erdrückende Last stehen zu bleiben.
Warum hast du dich geschnitten?, frage ich sie. Sage ich dir nicht, wiegelt sie mich ab und lässt mich mit meinen Sorgen zurück.
Meine Fingerspitzen wandern über meinen Brustkorb. Verletzungen auf dünner Haut schmerzen viel mehr...
Ich umarme ihn, doch er reagiert nicht. Will ihn küssen, doch er beugt sich nicht runter. Manchmal dreht er sich weg. Stelle mich auf die Zehenspitzen, doch er drückt mich mit sanfter Bestimmtheit auf den Boden zurück und wendet sich ab.
Es reicht.
Ich falle in mich zusammen.
Der Gedanke bricht über mich herein, und ich ergebe mich beinah dankbar. Es pulsiert durch meine Adern, leckt sich durch meine Venen, verlangt sofortige Wiedergutmachung für meinen Widerstand.
2013/02/06
Don't worry about hurting my feelings. I have no feelings to hurt.
Wieder zusammengebrochen. Zum zweiten Mal in meinem Leben, zum zweiten Mal binnen weniger Wochen. Wahre Gedanken unterdrücken. Ich kann nicht mehr.
Vielleicht sollte ich aufhören, solange ich noch kann. Essen, Kippen, Gras, Schneiden, Beißen, Leben...
Vielleicht sollte ich aufhören, solange ich noch kann. Essen, Kippen, Gras, Schneiden, Beißen, Leben...
2013/02/05
I can’t sleep and food has lost its taste. God, I’m so sick of this place.
Wie es mir geht? Schau in mein Gesicht und sag du es mir.
Fuck. Es geht mir viel zu langsam voran. Seit Tagen bleibt die Anzeige der Waage auf derselben Zahl stehen. Und es macht mich wahnsinnig. Eigentlich esse ich nur morgens - und in der Schule was kleines, wenn der Magen Überhand nimmt.Überbrücke das Hungergefühl mit Wasser und Kaugummi. Wenigstens nehme ich nicht zu.
Eigentlich hätte ich genug Selbsthass als Motivation, um komplett zu hungern. Was mich davon abhält, ist, dass Hungern sich ganz schnell wieder rächt... Essen wir morgens halt ein bisschen weniger.
Fuck. Es geht mir viel zu langsam voran. Seit Tagen bleibt die Anzeige der Waage auf derselben Zahl stehen. Und es macht mich wahnsinnig. Eigentlich esse ich nur morgens - und in der Schule was kleines, wenn der Magen Überhand nimmt.Überbrücke das Hungergefühl mit Wasser und Kaugummi. Wenigstens nehme ich nicht zu.
Eigentlich hätte ich genug Selbsthass als Motivation, um komplett zu hungern. Was mich davon abhält, ist, dass Hungern sich ganz schnell wieder rächt... Essen wir morgens halt ein bisschen weniger.
2013/02/04
Betäuben uns mit Drogen um den Schmerz erträglich zu machen.
Ich ziehe. Der Schwindel wiegt mich hin und her, doch der Waldboden unter meinen Füßen bleibt eben. Süßer Nebel legt sich auf meine Zunge. Meine Kehle brennt wie Napalm. Hin und wieder spucke ich Pflanzenteile aus, die sich durch den Tip geschlichen haben. Der Wind beißt sich in meine Hände fest.
Sie nimmt mich an die Hand. Ich spüre kaum ihren Händedruck, meine Finger sind eiskalt, kann nichtmals meine um ihre klammern. Ein gelber Schleier legt sich um die Umgebung. Die Blätter sind einen Tick gelbstichiger, die Bäume sehen so aus, als hätte man einen Instagram-Filter verwendet.
Ich drücke den Joint auf den kalten Boden aus und werfe den Rest ins Gebüsch.
Wir kommen ohne Probleme zu mir nach Hause, hängen unsere Jacken auf. Haare, Kleidung, Finger. Alles riecht nach Gras. Ich reiße das Fenster auf, werfe mich aufs Bett. Stechende Kopfschmerzen. Sie tumblrt an ihrem Mac. Ich versuche, die sich anhäufenden SMS zu beantworten, aber meine Finger sind einzige Eiszapfen. Irgendetwas Grelles explodiert vor meinem Sichtfeld. Ich setze mich wieder auf, hocke mich auf den Boden.
"Weißt du, was ich schon immer mal machen wollte?" Sie macht das Licht aus, dreht an ihrem Mac Casper auf und legt sich zu mir auf den Boden.
Wir philosophieren in völliger Dunkelheit über das Universum, über die Menschen. Die Worte in meinem Mund sind wie zähes Lava, meine Stimme klingt schwerfällig. Vergesse bereits beim Beginn eines neuen Themas, was wir davor diskutiert haben. Auf und Davon spielt im Hintergrund, so unglaublich viel langsamer als normalerweise. Ich lege meine Hände auf die brütend warme Heizung, doch eine halbe Stunde später spüre ich sie immer noch nicht.
Irgendwann machen wir das Licht an, gucken ein Dutzend Kraftklub Interviews und bauen bei Sims 3 existierende, charakterlich hässliche Menschen nach.
Ich liebe sie.
Als sie zuhause sitzt, schreibt sie mir, dass sie unwissentlich das ganze Gras, was sie für den Zehner bekommen hat, in unsere zwei Joints getan hat, die wir geraucht haben.
Nullkommafünf Gramm. Olé.
Blogaward #1 und Sieben Dinge über mich
Magdalena hat mir einen Blogaward verliehen, vielen lieben Dank!
Regeln:
1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat und verlinke ihn auf deinem Blog.
2. Stelle das Award-Logo auf deinen Blog.
3. Schreibe 7 Dinge über dich.
4. Nominiere weitere 15 Blogs und setzte sie darüber in Kenntnis.
Dinge über mich:
1. Ich trinke nicht, rauche aber. Was viele nicht verstehen können. Egal.
2. Ich habe meine beste Freundin, früher in der Parallelklasse, durch Svv und Suizidgedanken kennengelernt.
3. Ich habe 14 Abfuhren von Jungs -die meisten meine ehemaligen besten Freunde gewesen- einstecken müssen.
4. Meinen ersten Kuss und meinen ersten Freund hatte ich mit fast 16.
5. Ich bin mit 1,66m größer als meine Eltern und wiege weniger als sie.
6. Ich will nie 27 werden.
7. Ich verschweige oft Dinge, die mich stören.
Nominierung von 15 Blogs (keine bestimmte Reihenfolge!):
1. Melody
2. Nana
3. Jem
4. Schy
5. Abigail
6. Katy
7. Phil
8. Traumtänzerin
9. Fee
10. Disasterclown
11. Fragile Stranger
12. Feli
13. Milia
14. ArlenBennington
15. Die Kleine
Oke das hat alles irgendwie etwas sehr lange gedauert.
Regeln:
1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat und verlinke ihn auf deinem Blog.2. Stelle das Award-Logo auf deinen Blog.
3. Schreibe 7 Dinge über dich.
4. Nominiere weitere 15 Blogs und setzte sie darüber in Kenntnis.
Dinge über mich:
1. Ich trinke nicht, rauche aber. Was viele nicht verstehen können. Egal.
2. Ich habe meine beste Freundin, früher in der Parallelklasse, durch Svv und Suizidgedanken kennengelernt.
3. Ich habe 14 Abfuhren von Jungs -die meisten meine ehemaligen besten Freunde gewesen- einstecken müssen.
4. Meinen ersten Kuss und meinen ersten Freund hatte ich mit fast 16.
5. Ich bin mit 1,66m größer als meine Eltern und wiege weniger als sie.
6. Ich will nie 27 werden.
7. Ich verschweige oft Dinge, die mich stören.
Nominierung von 15 Blogs (keine bestimmte Reihenfolge!):
1. Melody
2. Nana
3. Jem
4. Schy
5. Abigail
6. Katy
7. Phil
8. Traumtänzerin
9. Fee
10. Disasterclown
11. Fragile Stranger
12. Feli
13. Milia
14. ArlenBennington
15. Die Kleine
Oke das hat alles irgendwie etwas sehr lange gedauert.
2013/02/02
Wenn man nicht aufpasst, bringt einen heutzutage alles um.
Mein Vater gibt mir sein iPhone, damit ich einiges für ihn einstelle. Er bekommt es immer noch nicht hin. Wozu hat er bloß ein Smartphone?
"Was hast du da an deiner Hand?", fragt er plötzlich drohend.
Obwohl ich genau weiß, was er meint, schnellt mein Blick nach links zur roten Linie, dann zuckt mein Blick zurück. Ich unterdrücke den Impuls, meine Hand zu ballen und den Schnitt zu verstecken. Ringe mit der aufkeimenden Panik, entdeckt zu werden. Krame die Ausrede hervor, die ich mir vorsorglich zurechtgelegt habe. "Achso, das." Sprich ruhiger, beschissene Kuh. Ich strecke meine Handfläche und tue so, als würden mir die zwei Schnitte erst jetzt auffallen. Tue so, als wäre ich nicht diejenige, die von einem Anfall Schlaflosigkeit und Wahnsinn um 2:19 morgens sich die Hand absichtlich aufgeschlitzt hat. Leider nicht sonderlich tief, verdammt. "Einige Idioten haben gestern Flaschen runtergeworfen. Ich hab in die Scherben gepackt. Und mich dabei geschnitten." Das ist nicht mal gelogen. Ich habe bloß zwei verschiedene Geschichten zusammengefügt, die mich gar nicht betrafen. K. hat die leere Flasche umgestoßen, die aber am Stück überlebte. A. hat sich an irgendeiner Scherbe am Büffet in den Finger geschnitten und die Wunde mit Wodka desinfiziert.
Er schaut mich argwöhnisch an. Sein Tonfall ist scharf. "Warst du betrunken?"
Vielleicht wurden wir nie geliebt, zumindest nicht genug.
Freitagabend bei J. Gemieteter Restaurantkeller. Er feiert seinen achtzehnten nach. Ich setze mich mit der Freundin, mit der ich gekommen bin, und meinem Freund an einen leeren Tisch. Keine drei Minuten später wird es bei uns brechend voll.
Naya, die sich gerade zu mir setzt, schaut mich ernsthaft an. "Wir müssen reden."
Im Nachhinein betrachtet, habe ich ziemlich direkt angebissen. Aber ich habe lange nicht mehr mit ihr geredet. Zumindest ein wirkliches Gespräch. "Was denn?" Ich nehme eine Zigarette aus der Packung, zünde sie an und fange an zu qualmen, um ihr nicht direkt ins Gesicht sehen zu müssen.
Sie sagt nichts. Ihr Blick ist direkt, und das verunsichert mich. Ich schnippe die Asche in den Aschenbecher, als sie meinen Arm festhält und das Pflaster über dem Handgelenk anstarrt. Erschreckt fahre ich hoch. Sie hebt fragend eine Augenbraue.
Ich erlaube mir ein dünnes Lächeln. "Kein Schnitt." Zum Beweis hebe ich die Wundauflage an und zeige es ihr. "Das ist doch viel zu auffällig." Ich merke, wie einige Gespräche an unserem Tisch verstummen und spreche gerade noch so laut, dass die Musik mich nicht übertönt. "Die neueren Schnitte sind an Beinen und Füßen. Aber auch eine Weile her."
Sie lässt mich immer noch nicht aus den Augen, zieht die Hand zurück. Hebt eine Augenbraue. "Wir müssen ernsthaft reden."
Diese Tortur kenne ich schon. Geduldig nehme ich einen Zug. "Ich wurde schon bei einem Vertrauenslehrer verpetzt deswegen." Nützt bloß nichts.
Sie verdreht die Augen. "Kenne ich. Musste ich auch."
Das wirft mich völlig aus der Bahn. "Wie? Warum?"
"Selbstmordgefahr." Sie speit das Wort nahezu aus.
Ich deute auf mich, erinnere mich an die Kippe in meiner Hand und inhaliere. Öffne die Schachtel und halte sie ihr hin. Sie nimmt eine heraus und zündet sie sich an. "Wann musst du denn weg?", fragt sie beiläufig.
"Um zehn."
Sie zieht die Kippe ruckartig von ihrem Mund weg, fängt an wild zu husten und schaut mich ungläubig an. "Um ZEHN?!"
Ah, immer wieder. Anscheinend werde ich nie einen Abend weg von zuhause verbringen können, ohne dieses Thema anschneiden zu müssen. Ich amüsiere mich angesichts der Heftigkeit ihrer Reaktion. Asche rieselt in den Becher. "Eltern."
"Was machen deine Eltern?", fragt sie völlig verständnislos.
"Mich überwachen." Seltsam, wie einfach es mir fällt, darüber zu reden. Inmitten von Leuten, die mich kaum kennen. Aber nicht hören können, weil ich immer noch leise genug rede. "Mindestens ein Elternteil ist zuhause, damit sie mich überwachen können. Ich habe nie sturmfrei. Nie."
Sie zückt ihr Handy. "Gib mir mal deine Handynummer, wir werden ausführlich darüber reden."
Nächste Falle. "Ich habe es nur am Wochenende."
Während sie mich ungläubig anstarrt, rutscht das Handy in ihrer Hand bedrohlich tiefer. Sie zieht an der Kippe. "Demnächst sagst du mir, dass sie eine Kamera in deinem Zimmer installiert haben."
Ich lache hart auf. "Gut möglich."
Zum ersten Mal seit dem Gespräch verliert sie ihre Souveränität. "Kann ich dir irgendwie helfen? Kannst du nichts machen?"
Ich drücke den Stummel etwas zu fest in den Aschenbecher. "Ich habe meinen Eltern mal meine Schnitte gezeigt. Sie haben mich abartig genannt."
"Geh doch zum Jugendamt."
"Ändert nichts daran, dass sie meine Eltern sind."
"Das kann dir doch egal sein, wenn du ausgezogen bist und nichts mehr mit ihnen zu tun hast. Sie schränken deine Menschenrechte ein."
Ich denke an das komplizierte Familiengefüge von Vietnamesen und schweige. Es ist schlichtweg nicht möglich, Eltern zu vergessen. Verdammte asiatische Werte.
Sie interpretiert mein Zögern falsch. "Weißt du eigentlich, dass ich als Mensch dazu verpflichtet bin, dir Hilfe zu leisten?"
Meine Mundwinkel zucken schmerzlich hoch. Ich weiß.
Ich habe innerhalb einer Dreiviertelstunde die halbe Kippenschachtel aufgefressen, bevor ich abgeholt wurde, ein Kaugummi zwischen die Zähne geschoben und die Hände eingecremt, um den Tabakgeruch zu verstecken, mein Vater hat mich abgeholt, nicht gemerkt, dass ich ziemlich viel geraucht hatte, bin Zuhause in der Toilette zusammengebrochen und wollte kotzen, mich mühevoll ins Bett geschleppt, ohne dass der Boden mir nochmal entgegenkam oder ich meinen Mageninhalt geleert habe, hab mir so lange ins Handgelenk gebissen, bis die Welt aufgehört hatte sich zu drehen ich schlafen konnte, ein Uhr morgens wieder aufgewacht, hab mich in die linke Hand geschnitten, bis acht Uhr gepennt, aufgestanden. Mein rechtes Handgelenk besteht nur noch aus zwei einzigen Blutergüssen und roten Striemen, die nicht verschwinden.
Ich klemme die Zigarette ungeschickt in die Lücke des Aschenbechers. Sie fällt nach vorne, das Ende landet auf den Aschenbecherboden. "Was kannst du eigentlich?" Mein Freund fixiert mich mit seinen geröteten Augen.
Ich weiß, dass er mich aufziehen will, wie so üblich. Aber in meiner Situation hätte sie ebenso gut ernst gemeint sein können. "Nichts." Die Farbe um seine Iris ist eine einzige Verstimmung.
Eilig nehme ich die Vorlage meiner Freundin an, sie auf Toilette zu begleiten, stütze mich am Waschbeckenrand ab und stiere in den Spiegel. Zwei schwarze Abgründe voller Abscheu starren zurück, und irgendwie fühle ich mich bestätigt, den Selbsthass zu sehen.
Naya, die sich gerade zu mir setzt, schaut mich ernsthaft an. "Wir müssen reden."
Im Nachhinein betrachtet, habe ich ziemlich direkt angebissen. Aber ich habe lange nicht mehr mit ihr geredet. Zumindest ein wirkliches Gespräch. "Was denn?" Ich nehme eine Zigarette aus der Packung, zünde sie an und fange an zu qualmen, um ihr nicht direkt ins Gesicht sehen zu müssen.
Sie sagt nichts. Ihr Blick ist direkt, und das verunsichert mich. Ich schnippe die Asche in den Aschenbecher, als sie meinen Arm festhält und das Pflaster über dem Handgelenk anstarrt. Erschreckt fahre ich hoch. Sie hebt fragend eine Augenbraue.
Ich erlaube mir ein dünnes Lächeln. "Kein Schnitt." Zum Beweis hebe ich die Wundauflage an und zeige es ihr. "Das ist doch viel zu auffällig." Ich merke, wie einige Gespräche an unserem Tisch verstummen und spreche gerade noch so laut, dass die Musik mich nicht übertönt. "Die neueren Schnitte sind an Beinen und Füßen. Aber auch eine Weile her."
Sie lässt mich immer noch nicht aus den Augen, zieht die Hand zurück. Hebt eine Augenbraue. "Wir müssen ernsthaft reden."
Diese Tortur kenne ich schon. Geduldig nehme ich einen Zug. "Ich wurde schon bei einem Vertrauenslehrer verpetzt deswegen." Nützt bloß nichts.
Sie verdreht die Augen. "Kenne ich. Musste ich auch."
Das wirft mich völlig aus der Bahn. "Wie? Warum?"
"Selbstmordgefahr." Sie speit das Wort nahezu aus.
Ich deute auf mich, erinnere mich an die Kippe in meiner Hand und inhaliere. Öffne die Schachtel und halte sie ihr hin. Sie nimmt eine heraus und zündet sie sich an. "Wann musst du denn weg?", fragt sie beiläufig.
"Um zehn."
Sie zieht die Kippe ruckartig von ihrem Mund weg, fängt an wild zu husten und schaut mich ungläubig an. "Um ZEHN?!"
Ah, immer wieder. Anscheinend werde ich nie einen Abend weg von zuhause verbringen können, ohne dieses Thema anschneiden zu müssen. Ich amüsiere mich angesichts der Heftigkeit ihrer Reaktion. Asche rieselt in den Becher. "Eltern."
"Was machen deine Eltern?", fragt sie völlig verständnislos.
"Mich überwachen." Seltsam, wie einfach es mir fällt, darüber zu reden. Inmitten von Leuten, die mich kaum kennen. Aber nicht hören können, weil ich immer noch leise genug rede. "Mindestens ein Elternteil ist zuhause, damit sie mich überwachen können. Ich habe nie sturmfrei. Nie."
Sie zückt ihr Handy. "Gib mir mal deine Handynummer, wir werden ausführlich darüber reden."
Nächste Falle. "Ich habe es nur am Wochenende."
Während sie mich ungläubig anstarrt, rutscht das Handy in ihrer Hand bedrohlich tiefer. Sie zieht an der Kippe. "Demnächst sagst du mir, dass sie eine Kamera in deinem Zimmer installiert haben."
Ich lache hart auf. "Gut möglich."
Zum ersten Mal seit dem Gespräch verliert sie ihre Souveränität. "Kann ich dir irgendwie helfen? Kannst du nichts machen?"
Ich drücke den Stummel etwas zu fest in den Aschenbecher. "Ich habe meinen Eltern mal meine Schnitte gezeigt. Sie haben mich abartig genannt."
"Geh doch zum Jugendamt."
"Ändert nichts daran, dass sie meine Eltern sind."
"Das kann dir doch egal sein, wenn du ausgezogen bist und nichts mehr mit ihnen zu tun hast. Sie schränken deine Menschenrechte ein."
Ich denke an das komplizierte Familiengefüge von Vietnamesen und schweige. Es ist schlichtweg nicht möglich, Eltern zu vergessen. Verdammte asiatische Werte.
Sie interpretiert mein Zögern falsch. "Weißt du eigentlich, dass ich als Mensch dazu verpflichtet bin, dir Hilfe zu leisten?"
Meine Mundwinkel zucken schmerzlich hoch. Ich weiß.
Ich habe innerhalb einer Dreiviertelstunde die halbe Kippenschachtel aufgefressen, bevor ich abgeholt wurde, ein Kaugummi zwischen die Zähne geschoben und die Hände eingecremt, um den Tabakgeruch zu verstecken, mein Vater hat mich abgeholt, nicht gemerkt, dass ich ziemlich viel geraucht hatte, bin Zuhause in der Toilette zusammengebrochen und wollte kotzen, mich mühevoll ins Bett geschleppt, ohne dass der Boden mir nochmal entgegenkam oder ich meinen Mageninhalt geleert habe, hab mir so lange ins Handgelenk gebissen, bis die Welt aufgehört hatte sich zu drehen ich schlafen konnte, ein Uhr morgens wieder aufgewacht, hab mich in die linke Hand geschnitten, bis acht Uhr gepennt, aufgestanden. Mein rechtes Handgelenk besteht nur noch aus zwei einzigen Blutergüssen und roten Striemen, die nicht verschwinden.
Ich klemme die Zigarette ungeschickt in die Lücke des Aschenbechers. Sie fällt nach vorne, das Ende landet auf den Aschenbecherboden. "Was kannst du eigentlich?" Mein Freund fixiert mich mit seinen geröteten Augen.
Ich weiß, dass er mich aufziehen will, wie so üblich. Aber in meiner Situation hätte sie ebenso gut ernst gemeint sein können. "Nichts." Die Farbe um seine Iris ist eine einzige Verstimmung.
Eilig nehme ich die Vorlage meiner Freundin an, sie auf Toilette zu begleiten, stütze mich am Waschbeckenrand ab und stiere in den Spiegel. Zwei schwarze Abgründe voller Abscheu starren zurück, und irgendwie fühle ich mich bestätigt, den Selbsthass zu sehen.
2013/01/30
Wir sind vergessene Kids, schwer zu führenKein Plan, kein Drang, es fehlt Herz und Hirn Sind stumpf und dumm, nicht mehr zu rührenBrauchen Drogen, um nie wieder den Schmerz zu spürenFlucht nach vorn, die Zeit ist da Noch nie war Revolution so greifbar nah Casper
Ich freu mich so abartig auf Freitag. Zeugnis zum Abschluss des verfickten Halbjahrs. Bei J. eingeladen. L. und ich haben uns versprochen, uns dort auf die bisherigen absolut unnötigen, sinnlosen und kaum erträglichen 4 Wochen die Birne wegzuqualmen.
Quelle für Gras ist abgesprungen. Fuck.
Quelle für Gras ist abgesprungen. Fuck.
2013/01/26
Ich merk nichts mehr, mein Herz ist leer, ich sterb.
Das ist es, was mich Schmerzen lieben lässt. Währenddessen denkt man an nichts anderes, wenn das Stechen bis in den Kopf jagt, glühendes Gift sich durch die Adern frisst. Der ganze Körper pulsiert, der Verstand setzt aus, und die Gedanken entgleiten, auch wenn man sich bemüht sie zu halten. Ruhe vor den Monstern im Kopf, die einen heimsuchen. Der Schmerz umarmt und schirmt mich ab.
2013/01/25
Ein freieres Leben - vielleicht ist es das nicht wert, aber dein freieres Leben ist sicherlich nicht verkehrt.
Hey, am xx.xx.xx ist wxyz. Kannst du kommen?
Normale Menschen:
- Habe ich Lust? [ ] ja [ ] nein
- Passt es in meinen Terminplan? Hab ich schon was anderes vor? [ ] ja [ ] nein
Ich:
- Habe ich Lust? [ ] ja [ ] nein
- Passt es in meinen Terminplan? Hab ich schon was anderes vor? [ ] ja [ ] nein
- Es stehen für die nächsten Wochen keine Klausuren an. [ ] ja [ ] nein
- Ich war die letzten fünf Wochenenden zuhause. [ ] ja [ ] nein
- Haben meine Eltern gute Laune? [ ] ja [ ] nein
- Weiß ich alles konkret über Zeit und Ort und Personen? [ ] ja [ ] nein
- Kann ich beweisen, dass ich dort weder trinken noch rauchen werde? [ ] ja [ ] nein
- Ich bin nicht alleine mit einem Jungen. [ ] ja [ ] nein
- Kann ich beweisen, dass ich wirklich mit den angegebenen Personen zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort bin? [ ] ja [ ] nein
- Keine Risikofaktoren in absehbarer Zeit, die Stimmungsschwankungen bzw. eine Umentscheidung in ein Nein auslösen könnten. Sowas wie Noten, die schlechter als eine Zwei oder Streit über unpassende Kleidung im Winter. [ ] ja [ ] nein
- Ist mein Tonfall unterwürfig und höflich genug? [ ] ja [ ] nein
Ja, ich kann.
--> Alle Punkte müssen Ja lauten.
Nein, ich kann nicht.
--> Dafür reicht ein Nein. Egal wo.
Willkommen in meiner Welt. Wo mein Leben aus elterlicher Willkür und unbeeinflussbaren äußeren Umständen besteht. Obwohl ich für manche Dinge meinen rechten Arm hergeben würde, um kommen zu können, sage ich ab, bevor ich meine Eltern überhaupt gefragt habe. Ist einfacher.
Normale Menschen:
- Habe ich Lust? [ ] ja [ ] nein
- Passt es in meinen Terminplan? Hab ich schon was anderes vor? [ ] ja [ ] nein
Ich:
- Habe ich Lust? [ ] ja [ ] nein
- Passt es in meinen Terminplan? Hab ich schon was anderes vor? [ ] ja [ ] nein
- Es stehen für die nächsten Wochen keine Klausuren an. [ ] ja [ ] nein
- Ich war die letzten fünf Wochenenden zuhause. [ ] ja [ ] nein
- Haben meine Eltern gute Laune? [ ] ja [ ] nein
- Weiß ich alles konkret über Zeit und Ort und Personen? [ ] ja [ ] nein
- Kann ich beweisen, dass ich dort weder trinken noch rauchen werde? [ ] ja [ ] nein
- Ich bin nicht alleine mit einem Jungen. [ ] ja [ ] nein
- Kann ich beweisen, dass ich wirklich mit den angegebenen Personen zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort bin? [ ] ja [ ] nein
- Keine Risikofaktoren in absehbarer Zeit, die Stimmungsschwankungen bzw. eine Umentscheidung in ein Nein auslösen könnten. Sowas wie Noten, die schlechter als eine Zwei oder Streit über unpassende Kleidung im Winter. [ ] ja [ ] nein
- Ist mein Tonfall unterwürfig und höflich genug? [ ] ja [ ] nein
Ja, ich kann.
--> Alle Punkte müssen Ja lauten.
Nein, ich kann nicht.
--> Dafür reicht ein Nein. Egal wo.
Willkommen in meiner Welt. Wo mein Leben aus elterlicher Willkür und unbeeinflussbaren äußeren Umständen besteht. Obwohl ich für manche Dinge meinen rechten Arm hergeben würde, um kommen zu können, sage ich ab, bevor ich meine Eltern überhaupt gefragt habe. Ist einfacher.
2013/01/20
Warum kämpfen wir um zu leben, während wir leben um zu sterben?
Meine Handfläche ist tintenverschmiert. Füllertinte, das Blau aus dem Kugelschreiber. Ich habe versucht, es in Worten hinzuschreiben, doch die Mine hat nur nutzlos ein paar Wörter in das Blatt gekratzt, die nicht mal leserlich sind. Teilnahmslos sehe ich meine Finger zucken, ich spüre sie nicht. Durchdringende Kälte, nutzlose Gefühle.
2013/01/18
Only know you’ve been high when you’re feeling low.
Der nächste, der "Anna...! Das habe ich nicht von dir erwartet / gedacht!" sagt - dem kotze ich ohne Vorwarnung ins Gesicht. Nachdem ich ihm den Kopf abgehackt habe.
Jeder Mensch birgt das Potenzial für irgendeinen Wesenszug oder Tätigkeit in sich. Wir werden auch nicht gut oder böse geboren. Es kommt drauf an, ob man beim Aufwachsen das Potenzial nährt oder erstickt. Und mit welchen Leuten man umgeht.
Ich bin es leid, mich ständig rechtfertigen zu müssen. Alles, was ich mache, zu begründen und zu legitimieren. Mich zu verteidigen und ihnen meine Sichtweise darzulegen, die letztenendes an ihnen abprallt wie raketensicheres Glas und sie ihre vorgefasste Meinung behalten.
Ich bin es so leid.
2013/01/14
Wir begegnen uns auf Ebenen, die nichts zu tun haben mit den Mitternachtrealitäten.
"Frag Anna nicht nach deren Gründen", warnt er sie. "Die Gründe sind Schwachsinn."
Ich lasse die Worte auf mich wirken und lächle verbittert. "Mein ganzes Leben ist ein Schwachsinn."
Sie nimmt mein Gesicht in ihre Hände, schaut mir lächelnd direkt in die Augen und umarmt mich dann. "Dafür wirkst du ziemlich fröhlich."
Und genau darin liegt das Problem.
Ich lasse die Worte auf mich wirken und lächle verbittert. "Mein ganzes Leben ist ein Schwachsinn."
Sie nimmt mein Gesicht in ihre Hände, schaut mir lächelnd direkt in die Augen und umarmt mich dann. "Dafür wirkst du ziemlich fröhlich."
Und genau darin liegt das Problem.
2013/01/12
Nun anstelle von Kuscheln sinnloses Grenzengepusche
Morgens reden wir so gut wie nie. Obwohl wir uns sehen, aneinander vorbeigehen. Das erste Ansprechen kommt immer von dir.
Ich habe mal öfters die Zeit genommen. Nach dem ersten Wort, was wir miteinander gewechselt haben, war vier Stunden sechsunddreißig die längste Zeitspanne, die wir ohne Streit ausgehalten haben.
Manchmal denke ich mir Warum willst du ein Gespräch anfangen? Sind wir so erfahrungsresistent? Wir wissen beide, dass es in einer Meinungsverschiedenheit ausartet, wir uns ankeifen. Kritik, verpackt in Belehrungen. Anfeindungen, die in Wirklichkeit Beschuldigungen sind. Jeder beharrt darauf, selbst im Recht zu sein. Lärm wird zur Normalität, Stimmen heiser, Stille ungewöhnlicher. Das Klima ist für den Rest des Tages vergiftet, Anschweigen unsere einzige Kommunikation. Wenn wir dazu gezwungen werden, miteinander zu reden, schwingt ein Trotz in den Sätzen mit, ein unterschwelliger Vorwurf, einer verliert die Nerven und das Feuer bricht erneut aus.
Immer dasselbe. Jeden Tag aufs Neue. Das ganze Jahr lang.
Weißt du, was du in der Blindheit des Zorns übersiehst, Mama? Dass ich merke, dass du mir Chancen geben willst, die dir selbst verwehrt blieben. Dass ich dankbar bin für das, was du für mich tust. Dass du nur noch lebst, damit ich leben kann. Und dass ich dich liebe, auch wenn mein Verhalten ein Paradoxon ist.
Aber wir können nicht zuhören, leben hinter Mauern der Sturheit, sind krank vor Wut, und daran wird auch alles scheitern.
Für J. Und für Mama, natürlich.
Ich habe mal öfters die Zeit genommen. Nach dem ersten Wort, was wir miteinander gewechselt haben, war vier Stunden sechsunddreißig die längste Zeitspanne, die wir ohne Streit ausgehalten haben.
Manchmal denke ich mir Warum willst du ein Gespräch anfangen? Sind wir so erfahrungsresistent? Wir wissen beide, dass es in einer Meinungsverschiedenheit ausartet, wir uns ankeifen. Kritik, verpackt in Belehrungen. Anfeindungen, die in Wirklichkeit Beschuldigungen sind. Jeder beharrt darauf, selbst im Recht zu sein. Lärm wird zur Normalität, Stimmen heiser, Stille ungewöhnlicher. Das Klima ist für den Rest des Tages vergiftet, Anschweigen unsere einzige Kommunikation. Wenn wir dazu gezwungen werden, miteinander zu reden, schwingt ein Trotz in den Sätzen mit, ein unterschwelliger Vorwurf, einer verliert die Nerven und das Feuer bricht erneut aus.
Immer dasselbe. Jeden Tag aufs Neue. Das ganze Jahr lang.
Weißt du, was du in der Blindheit des Zorns übersiehst, Mama? Dass ich merke, dass du mir Chancen geben willst, die dir selbst verwehrt blieben. Dass ich dankbar bin für das, was du für mich tust. Dass du nur noch lebst, damit ich leben kann. Und dass ich dich liebe, auch wenn mein Verhalten ein Paradoxon ist.
Aber wir können nicht zuhören, leben hinter Mauern der Sturheit, sind krank vor Wut, und daran wird auch alles scheitern.
Für J. Und für Mama, natürlich.
2013/01/06
Even every prison has a open door.
Flacher, apathischer Atem. Es ist warm unter der Bettdecke, zu warm, die stickige Luft schnürt meine Brust zu, aber ich will nicht raus. Schweißgebadet werfe ich mich hin und her, versuche meine Gedanken zur Ruhe zu bringen, vergeblich. Nehme alles wie in einem altem Stummfilm wahr. Schwarz grau, an den Rändern meines Blickwinkels flimmert es, höre nichts außer das Ticken der Uhr, so laut, als würde sie mir ins Ohr brüllen. Stehe auf, taste nach meinem Feuerzeug. Drücke herunter. Die Flamme schießt hervor, beleuchtet den Raum, mein Finger rutscht kraftlos herunter, alles versinkt wieder in Schwärze. Schließe die Augen, die Dunkelheit flackert. Meine Lider schmerzen. Will schlafen, doch kann nicht. Will gleichzeitig das Fenster aufreißen, raussteigen, in die finstere, kalte Nacht laufen, barfuß in leichter Kleidung über nassen Stein, irgendwo hinirren, bloß weit weg von hier, von mir selbst.
Insomnia.
Insomnia.
Nichts ist schmerzender, als sich der Isolation hingeben zu müssen, nurweil man glaubt, alleine am besten zurecht zu kommen.
Ich glaube eines Tages wird man herausfinden, was es mit dem Leben auf sich hat. Die Regeln, die Regelmäßigkeiten, die Gründe, die Zwecke. Und dann werden sie lachend auf uns herabschauen und sagen: Schau mal, wie primitiv sie waren, haben gedacht, der Sinn des Lebens ist Leben, haben sich dafür umgebracht, obwohl die Lösung direkt vor ihnen war...
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