2011/12/15

Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen.

Warum jagen wir immer der Wahrheit und Wirklichkeit nach? Ist es wirklich schmerzhaft, mit einer Lüge oder falschen Überzeugung zu leben? Wir bedienen uns auch Theorien, von denen wir denken, sie seien die richtigen. Hilft es nicht, sich mal selbst zu belügen und sich gut einzureden, um dem Schwarzen Loch zu entfliehen? Oder lässt man sich mit der Verzweiflung der Wahrheit treiben und findet nirgends Halt, weil man gewisse Ströme und Flussbetten übersieht?
Wir können die Wahrheit, Realität und Wirklichkeit nie festhalten. Unsere Sinne sind begrenzt, wir Menschen und selbst die von uns programmierten Maschinen arbeiten nie genau, und die Naturwissenschaften können es nie naturgetreu darstellen.
Für meine eigene Realität zählen Überzeugungen, Prinzipien und Prioritäten, die ich für richtig halte... sie können mit der Moral und Ethik übereinstimmen, müssen aber nicht. Aber nicht haargenau die Normen der Gesellschaft, die in grauer Vorzeit von irgendjemanden geprägt wurden.

2011/12/12

Brief an die Zeit.

Liebe Zeit,

ich weiß echt nicht, was ich von dir halten soll. Um unser Verhältnis mal bitte ein für alle Mal aufzuklären.

Wann war das letzte Mal, dass ich mit dir gehen konnte? Ich erblicke immer nur deine Rückenansicht. Es kostet mich immense Kraft, dich aufzuhalten. Habe ich es mal tatsächlich geschafft, kann ich nur kurz von meinem Triumph kosten. Denn einen Wimpernschlag später bist du auch wieder auf und davon.

Ja, du bist ewig. Allerdings nicht in meinem Leben. Ich würde allzu gern Spuren meines Daseins bei dir hinterlassen. Bist ewig jung. Ich ändere mich, aber du bleibst. Kann ich dich nicht stoppen oder kurz innehalten lassen, wie in einem Film? Vor allem dann, wenn ich gerade glücklich bin?

Immer wieder nimmst du mir die Macht, selbst über mein Leben zu bestimmen! Ich brauche dich zum Freunde treffen, zum Lesen, zum Zocken, zum Lernen, zum Schlafen. Ich glaube, du weißt gar nicht, wie wichtig Schlaf für Menschen ist!


Vor allem zu diese Jahreszeit spielst du mir ständig was vor. Mein Kalender -ich wette er ist ein Komplize von dir- zeigt mir, dass es noch Monate bis Weihnachten und Jahresende sind. Plötzlich werden daraus Wochen. Dann Tage. Ich muss noch Weihnachtsgeschenke kaufen! Hetze durch die Stadt, warte an Schlangen, drängel mich durch den Weihnachtsmarkt. Neulich bin ich mit meiner besten Freundin deinem Bruder Stress begegnet. In Form einer Frau mit Handy, wild gestikulierend, einem krakeelenden Baby im Kinderwagen und einem zerrenden Hund an der Leine. Ich bin schnell vorbeigehastet, damit er mich nicht überfällt.

Mal ein paar Worte zu ihm. Immer überrascht er arme, hilflose Leute in dem Moment eiskalt, wo sie ohnehin schon überfordert sind. Facharbeit abgeben, Klausuren in Geschichte und Bio, Test in Französisch. Dann noch sämtliche andere Fristen, der Laptop gibt seinen Geist auf und verschwinden lässt er die Schlüssel auch noch!

Er ist schizophren, der Gute. Seine positive Seite befähigt einen, besondere Anforderungen zu überwältigen.
Aber seine negative Seite lässt einen körperlich und geistig belastend zurück. Kannst du mir als große Schwester von ihm sagen, warum ich nur seine negative Seite zu spüren bekomme?!

Aber nun zurück zu dir, liebe Zeit. Ich bin bereit, all deine Sticheleien zu vergessen und dir zu verzeihen. Ich bitte dich nur um eins: Sei nicht so hektisch, nimm ein gemächlicheres Tempo an! Denn du bist mir immer noch unersetzlich. Jede Sekunde von dir ist mir wichtig, ist mir wertvoll. Außerdem bist du das beste Heilmittel für alle Wunden. Vor allem für die im Herzen. Daher biete ich dir an: Lass uns das Kriegsbeil begraben und wieder beste Freunde werden, wie im Kindergarten, als mir deine Geschwindigkeit noch nicht so sonderlich auffiel.

In aller Liebe,
deine Anna

2011/12/05

I'd rather stay quiet than explain my problems to people who don't care.

Diese ewige Frage.
"Hey! Na, wie geht's?"
Wie geht's. Das ist doch längst nur noch eine rhetorische Frage. Gehört einfach in jedem Anfang eines Gesprächs. Egal ob es dem Gegenüber interessiert oder nicht. Deswegen fällt die Antwort auch oft gleich aus.
"Gut... dir?"

Es gibt Sprüche im Internet, die ungefähr so oder genau so gehen: "Größte Lüge: Mir geht's gut". Ich gehöre ebenfalls zu diesen Leuten. Egal, wie schlecht ich mich fühle, ja, mir geht's gut.

(c) Anna Nguyen

Manchmal frage ich mich selbst, warum ich das behaupte. Um mich selbst zu überzeugen, dass es mir gut geht? Um mich selbst zu belügen, und zu hoffen, dass ich dann meinen Lügen glaube?
Ich schätze, viele verbinden mit dieser Frage oft nur die körperliche Gesundheit. Da wäre "gut" vielleicht keine Lüge. Die Stimmungslage gehört für mich ebenfalls dazu, was nicht selbstverständlich ist.

Tja, angenommen, ich bin traurig. Okay, und weiter?
Wenn jemand mich also gefragt hätte, hätte ich gesagt: "Gut, ziemlich."
Zum einen, weil es dem Gegenüber vielleicht nichts angeht. Für sie ist es vielleicht nur diese rhetorische Frage. Mal abgesehen davon, dass viele es oft nicht verarbeiten können oder wie sie darauf reagieren sollen, wenn es wirklich ernst wäre. Oder es fehlt die Motivatation, es zu erklären.
Wobei wir bei Punkt zwei wären. Selbst wenn ich hätte sagen können, ich wäre traurig, hätte ich nie erklären können, warum. Ich hätte nicht einmal die Worte, dieses Gefühl zu rechtfertigen. In meinem Leben fehlte es an nichts wichtigem. Ich hatte immer das, was ich brauchte. Ich musste nicht leiden.
Aber oft ist es so, dass man seelisch leidet, auch wenn man es eventuell nicht bemerkt.

Beispiel. Eine frisch getrennte Frau sieht ein glückliches Pärchen. Sie verbindet und vergleicht das Bild mit ihrem Stress, ihrem Trennungsstreit und sonstiges mit dem Glück und sieht das, was sie haben wollte... oder könnte. Doch was soll sie ausdrücken? "Schlecht, weil ich wieder geliebt werden will?" Man wird es als Neid und Eifersucht abstempeln.
Ich kann es selbst mit langem Nachdenken kaum erklären. Wie soll das dann mündlich auch auf die Schnelle geschehen?
Man hat also über einen längeren Zeitraum ein Problem, und dieses elendige Gefühl zieht sich durch einen Zeitraum. Es sind die Auswirkungen davon. Oder wenn die Situation sich verschlechtert. Es ist nicht immer ein Augenblick oder ein Zeitpunkt, der einen traurig macht oder schlecht fühlen lässt.
Oder die Frau aus dem Beispiel will oder kann es nicht beschreiben, weil Worte es nie genau treffen können. Womit wir wieder beim zweiten Grund werden.

Abschließend gesagt: Es gibt viele Gründe, warum man nicht die Wahrheit sagt. Aber es gibt ebenso Gründe, warum man genau zu der Person unehrlich ist.