Dann bekomme ich auf der ersten Seite wieder den Grund vor Augen geführt, wieso ich solche Blätter eigentlich abgrundtief verabscheue.
Emma Watson springt mir entgegen. Keine Frage, ich finde diese Frau wirklich schön. Aber auf dieser Werbung für Lippenstift mit extrem überschminkten roten Lippen und dieser makellosen, weißen, unnatürlich retuschierten Haut sieht sie alles andere aus als attraktiv. Vielleicht übertreibe ich ein bisschen, aber ich frage mich, wie viel Umsatz Fotobearbeitungsprogramme im Jahr machen.
Ich schlage ein paar Seiten um.
Keine drei Seiten später räkelt sich Anne Hathaway lasziv, ebenfalls eine üble Maske aus Make-Up auf dem Gesicht, mit mehreren Handtaschen am Arm auf einem roten Sportwagen mit wunderbar aufgesetzten Schlafzimmerblick.
Mal nebenbei angemerkt, dass diese Werbung in meinen Augen, gelinde gesagt, geradezu von unglaublicher Hirnbeschissenheit zeugt. Aha, gut, ich kaufe die Handtaschen. Werfe ich mich bei der nächstbesten Gelegenheit auf die Motorhaube eines roten Mini Coopers und werde umwerfend sexy, dass mir alle Männer zu Füßen liegen? Diejenigen, die mit Männern Probleme haben, sollen in erster Linie an ihrem Charakter arbeiten und nicht an der Verkleinerung ihres Geldbeutels indem sie eine sinnlose Tasche kaufen.
Aber eins springt mir bei beiden Bildern sofort ins Auge. Sie verkörpern den momentanen Zeitgeist unserer Gesellschaft.
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| Internet. |
Der Drang, so schön oder gar perfekt sein zu wollen.
Keine Chance. Vor allem das weibliche Geschlecht bekommt sogar ganz früh zu spüren, dass man diesem Zwang nicht entkommen kann. Es gibt Tage, an denen ich nichtmals einen Schokopudding genießen kann, ohne mich irgendwie schuldig zu fühlen oder daran zu denken, wie viel überschuüssige Energie ich zu mir genommen habe.
Warum finden wir nur ein Schönheitsideal schön?
Es ist albern, dass die heutige Jugend vorgelebt bekommt, man müsste spargeldürr sein, um hübsch und erfolgreich zu werden. Was in erster Linie wirklich schön macht, ist die Ausstrahlung. Daran scheitert die Hälfte aller Werbungen. Entweder sie ist überhaupt nicht vorhanden oder so aufgesetzt, dass es in den Augen schmerzt. Und um eine Ausstrahlung zu besitzen, muss man leider an einen Charakter verfügen.
Gerade Facebook ist ein hübsches Mittel, um sowas zu beobachten und das auch gleichzeitig eingeimpft zu bekommen. Wie viele Mädchen stellen keine Fotos von sich hoch, aus Angst, nicht genügend Likes zu kassieren? Wie aufgesetzt wirkt das Profilfoto? Das Thema ist so ergiebig, da rede ich vielleicht mal ein anderes Mal rüber.
Ich finde ohnehin schon das Prinzip unnötig und unfair. Warum kann man mit seinem Körper durch Nahrungsverzicht Kapital schlagen und dies müheloser als einer der sein Leben lang ackert und vom Gehalt her nicht mal annähernd herankommt? Man kann nichts dafür, wenn man nicht zu Beginn seines Lebens mit den richtigen Genen ausgestattet wurde. Man kann auch nichts dafür, wenn man alles nötige hat und trotzdem den Rest seines Lebens als was niedrigeres arbeiten musst. Ja, die Modelindustrie ist sowohl überflüssig als auch sinnlos.
| Internet. |
Okay, ich schweife ab.
Zum Schluss ein schwacher Trost: Ich habe noch eine Werbung im Heft gefunden, die eine völlig natürliche und (im Vergleich zu anderen Models) eher durchschnittliche bis unterdurchschnittliche junge Frau zeigt, die trotzdem wunderhübsch und authentisch wirkt - ohne viel Photoshop und null Make-Up. Bleibt zu hoffen, dass sich die Industrie in diese Richtung weiterentwickelt.

ich liebe es wenn deine Gedanken rebellieren, anna <3
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