Sein Todesdatum im Voraus zu wissen ist doch nichts anderes, als sein natürliches Todesurteil zu erfahren.
Sowas würde die Gesellschaft komplett moralisch umkrempeln.
Die Suizidrate könnte steigen. Ich sterbe heute doch sowieso, dann kann ich meinem Leben doch ein Ende setzen, dann kann ich wenigstens meine Todesart bestimmen. Stolz, der einen dazu bewegt. Doch was ist, wenn das nicht der Tag ist, an dem man sterben würde, sondern gerade weil der Stolz den Todestag vorprogrammiert?
Kriminalität kurz vor dem ewigen Nichts - kein Thema. Werde ich geschnappt? Egal. Selbst wenn ich angeklagt werde, selbst wenn ich im Gefängnis verrotten muss, in einer Woche existiere ich sowieso nicht mehr. Aber was ist, wenn es die Todesstrafe ist, durch die das Leben beendet wird und man ohne die Straftat hätte weiterleben können?
Klar. Natürlich könnte auch das Gegenteil der Fall sein. Selbstmordraten gehen zurück, das Leben wird geschätzt. Wird sozialer. Kriminalität wird verpönt, man respektiert den Besitz anderer. Häuft sich nicht so viel Geld oder Besitztümer an. Denn es hält nicht ewig.
Eigentlich war ich jemand, der es immer wissen wollte, sein Todesdatum. Um sein restliches Leben zu planen und sorgfältig zu leben. Mehr Energie und Bewusstsein in jeden einzelnen Atemzug packen. Keine Sekunde zu verschwenden. Die Welt sehen. Irgendwie meinen Fußabdruck in diese schnelllebige Welt lassen. Aber mittlerweile habe ich es eingesehen, dass es eher hinderlich ist.
Wie soll man vernünftig leben, sein Leben genießen, sich Gedanken um die Zukunft machen? Hat jemand schon mal einen glücklichen Krebskranken gesehen, den die Krankheit unerwartet trifft und noch nicht mit dem Leben abgeschlossen hat und der mit seiner Prognose glücklich ist? Unwahrscheinlich. Mal abgesehen davon, dass sie jahrelangen Schmerz erlitten haben und erlöst werden wollen.
Aber wenn sie aus dem Leben gerissen werden?
Die Vorteile, die das Wissen eventuell bringen würden und die ich gut finden würde, wäre noch, dass man sich mit dem Leben nicht so abhetzt. Ein Zitat dazu, was mich immer wieder inspiriert: "Die schönsten Erinnerungen sind stets Erlebnisse, für die man sich Zeit genommen hat. Ich weiß genau, dass ich immer durch das Leben gehetzt bin, zu viel Ungeduld und Rastlosigkeit im Gepäck gehabt, zu viele Chancen verpasst, zu viele wertvolle Menschen im aufgewirbelten Staub übersehen habe." (Charles Kuralt) Man denkt bewusster über sich selbst nach. Befasst sich mit Sinnfragen. Leben? Wie viel ist es wert? Warum Tod? Warum dieser unendliche, unvermeidliche Kreislauf?
Und selbst wenn. Nein. Ich würde es nicht wissen wollen.
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AntwortenLöschenxx San,
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PS: Bester Song!