"Hey! Na, wie geht's?"
Wie geht's. Das ist doch längst nur noch eine rhetorische Frage. Gehört einfach in jedem Anfang eines Gesprächs. Egal ob es dem Gegenüber interessiert oder nicht. Deswegen fällt die Antwort auch oft gleich aus.
"Gut... dir?"
Es gibt Sprüche im Internet, die ungefähr so oder genau so gehen: "Größte Lüge: Mir geht's gut". Ich gehöre ebenfalls zu diesen Leuten. Egal, wie schlecht ich mich fühle, ja, mir geht's gut.
| (c) Anna Nguyen |
Manchmal frage ich mich selbst, warum ich das behaupte. Um mich selbst zu überzeugen, dass es mir gut geht? Um mich selbst zu belügen, und zu hoffen, dass ich dann meinen Lügen glaube?
Ich schätze, viele verbinden mit dieser Frage oft nur die körperliche Gesundheit. Da wäre "gut" vielleicht keine Lüge. Die Stimmungslage gehört für mich ebenfalls dazu, was nicht selbstverständlich ist.
Tja, angenommen, ich bin traurig. Okay, und weiter?
Wenn jemand mich also gefragt hätte, hätte ich gesagt: "Gut, ziemlich."
Zum einen, weil es dem Gegenüber vielleicht nichts angeht. Für sie ist es vielleicht nur diese rhetorische Frage. Mal abgesehen davon, dass viele es oft nicht verarbeiten können oder wie sie darauf reagieren sollen, wenn es wirklich ernst wäre. Oder es fehlt die Motivatation, es zu erklären.
Wobei wir bei Punkt zwei wären. Selbst wenn ich hätte sagen können, ich wäre traurig, hätte ich nie erklären können, warum. Ich hätte nicht einmal die Worte, dieses Gefühl zu rechtfertigen. In meinem Leben fehlte es an nichts wichtigem. Ich hatte immer das, was ich brauchte. Ich musste nicht leiden.
Aber oft ist es so, dass man seelisch leidet, auch wenn man es eventuell nicht bemerkt.
Beispiel. Eine frisch getrennte Frau sieht ein glückliches Pärchen. Sie verbindet und vergleicht das Bild mit ihrem Stress, ihrem Trennungsstreit und sonstiges mit dem Glück und sieht das, was sie haben wollte... oder könnte. Doch was soll sie ausdrücken? "Schlecht, weil ich wieder geliebt werden will?" Man wird es als Neid und Eifersucht abstempeln.
Ich kann es selbst mit langem Nachdenken kaum erklären. Wie soll das dann mündlich auch auf die Schnelle geschehen?
Man hat also über einen längeren Zeitraum ein Problem, und dieses elendige Gefühl zieht sich durch einen Zeitraum. Es sind die Auswirkungen davon. Oder wenn die Situation sich verschlechtert. Es ist nicht immer ein Augenblick oder ein Zeitpunkt, der einen traurig macht oder schlecht fühlen lässt.
Oder die Frau aus dem Beispiel will oder kann es nicht beschreiben, weil Worte es nie genau treffen können. Womit wir wieder beim zweiten Grund werden.
Abschließend gesagt: Es gibt viele Gründe, warum man nicht die Wahrheit sagt. Aber es gibt ebenso Gründe, warum man genau zu der Person unehrlich ist.
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